Flammendes Inferno (USA 1974)

flammendesinfernoKatastrophenfilme, in den Siebzigern eines von Hollywoods liebsten Kindern, zelebrieren das Spiel wider der menschlichen Ignoranz. Ihr möglicherweise bester ist „Flammendes Inferno“, in dem das schmerzliche Prinzip der unsinkbaren Titanic am höchsten Wolkenkratzer der Welt durchexerziert wird. Dieser Koloss aus Glas, Stahl und Beton unterstreicht die Bändigung der Elemente und manifestiert die vermeintliche Allmacht des Menschen. Wenn da nur nicht der Sparzwang des Bauherrn wäre, der zur Verarbeitung minderwertiger Kabel riet. Eben diese führen bei einem Testlauf der Systeme zu Überhitzung und Kurzschluss, was wiederum Auslöser des sich anbahnenden Desasters ist.

Die Befürchtungen des vom Pfusch zuvor ahnungslosen Architekten Roberts (Paul Newman, „Die Katze auf dem heißen Blechdach“) verhallen ungehört. Finanzier Duncan (William Holden, „Network“), der Schwiegersohn Roger (Richard Chamberlain, „Die Dornenvögel“) zur Kostenminderung drängte, will von den möglichen Konsequenzen nichts hören. Schließlich geht es an die Einweihungsfeierlichkeiten in einem der oberen Stockwerke, wobei allerhand Prominenz über den roten Teppich flaniert, darunter Senator Parker (Robert Vaughn, „Die glorreichen Sieben“). Das Feuer jedoch nimmt auf Status und Machtposition keine Rücksicht, gerät außer Kontrolle und schließt die Abendgesellschaft ein.

Produzent Irwin Allen („Die Höllenfahrt der Poseidon“), der einen Teil der Actionszenen selbst drehte, und Regisseur John Guillermin („King Kong“), verzichten beim einleitenden Geplänkel auf die obligatorischen Soap-Anteile der Figurenvorstellung und steuern frühzeitig die Vorboten des Unglücks an. Als Brandbekämpfer O´Hallorhan versucht Steve McQueen („Bullitt“) mit Roberts Hilfe das Schlimmste zu verhindern. Doch als der Strom ausfällt, Aufzüge stecken bleiben und Gasleitungen explodieren, wird das Gebäude endgültig zur Todesfalle.

Eindringlich und mit starken Tricks zeigt dieser frühe Blockbuster, dessen Aufwand mit acht Oscar-Nominierungen und letztlich drei Auszeichnungen honoriert wurde, die Grenzen des Technikwahns auf. Dabei entspinnt sich manch ergreifende Szene, beispielsweise die, in der Duncans Filius (Robert Wagner, „Airport ´80 – Die Concorde“) nach dem Schäferstündchen mit der Sekretärin einen Ausweg aus dem brennenden Liebesnest zu finden versucht und fast unverzüglich ein Spielball der Flammen wird. Wenn es die Gespielin kurz darauf aus dem Fenster in die Tiefe schleudert, werden unbequeme Erinnerungen an die Anschläge vom 11. September 2001 wach. Das betagte Zelluloid-Spektakel wird so mit einem auch gegenwärtig bitteren Beigeschmack versehen.

Die Starbesetzung bürgt, im Bombastkino wahrlich keine Selbstverständlichkeit, auch schauspielerisch für ansprechende Leistungen, wobei sich prominente Gesichter auch in unbedeutenderen Nebenrollen tummeln. Erwähnenswert bleibt dabei aber lediglich der als Bester Nebendarsteller Oscar-nominierte Fred Astaire („Ein süßer Fratz“), der emotionale Fixpunkte setzen darf und am Ende mit der Katze im Arm reichlich gebrochen aus der Wäsche guckt. Die Formelhaftigkeit des Plots wird durch die aufwändige Inszenierung und die von steter Spannung begleitete Dramatik egalisiert. „Flammendes Inferno“ funktioniert auch mehr als 30 Jahre nach seiner Produktion noch prächtig und steht für Hollywoods Einstand beachtlich besetzter Kino-Events.

Wertung: (8 / 10)

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