Das Beste kommt zum Schluss (USA 2007)

das-beste-kommt-zum-schlussJack Nicholson und Morgan Freeman, zwei alte Herren aus Hollywood, die schon so ziemlich alles erreicht haben. Beweisen müssen sie niemandem mehr etwas, jetzt heißt es die Ernte im Herbst ihres Karriere einzufahren. Dafür muss man nicht mehr in einem Klassikers spielen, gerade Nicholson kann davon ohnehin genug vorweisen. Beide Schauspieler neigen zur Selbstironie, was der neue Film von Regisseur Rob Reiner („Harry & Sally“, „Eine Frage der Ehre“) häufig beweist. Die gut aufgelegten Darsteller nehmen sich und ihr Alter ordentlich aufs Korn. Von einer allzu typischen Inszenierung „Made in Hollywood“ mag man sich aber dennoch nicht entfernen, was aber dem Vergnügen ausnahmsweise nicht im Wege steht.

Edward Cole (Jack Nicholson), überheblich und stinkreich, hat nicht mehr lange zu leben. Die Ärzte – ausgerechnet seine eigenen Angestellten – diagnostizieren Krebs bei ihm, ist er doch der Vorsitzende eines großen Krankenhauskonzerns. Seine Geschäftsstrategie, Ein-Bett-Zimmer für Niemanden, würde Cole dennoch gern über Bord werfen, als er selbst eingeliefert wird. Ausnahmen gibt es jedoch selbst für den Chef nicht. Ihm zur Seite liegt der Automechaniker Carter Chambers (Morgan Freeman), der ebenfalls unheilbar an Krebs erkrankt ist, sich jedoch damit abgefunden hat. Die beiden unterschiedlichen Männer freunden sich an und erstellen eine Liste mit vielen Dingen, die sie vor ihrem Ableben noch unbedingt unternehmen wollen. Geld hat Cole genug, also bereisen beide die ganze Welt, um die letzten Monate ihres Lebens so angenehm wie möglich zu gestalten. Sehr zum Leidwesen von Carters Ehefrau Virginia (Beverly Todd). Doch auch Edward hat eigentlich noch ein paar Dinge aus seiner Vergangenheit zu klären.

Mit „Das Beste kommt zum Schluss“ verbindet Filmemacher Rob Reiner im Stile einer üblichen Setzkasten-Logik verschiedene Elemente typischer Hollywoodunterhaltung. Über die beiden Recken Nicholson („Shining“) und Freeman („Sieben“) muss nicht ausgiebig gesprochen werden, beide agieren wie man es bei Kalibern ihrer Art erwarten darf. Freeman als der ruhige und abgeklärte Part, Nicholson hingegen mimt den impulsiveren Zeitgenossen, wobei genau deshalb die tragischeren Momente bei ihm intensiver erscheinen. Mit Seitenhieben auf das Alter seiner beiden Protagonisten geizt der Film nicht, hier sind eindeutig die größten Lacher festzumachen. Doch auch die überhebliche Art von Nicholson, gerade im Dialog mit seiner rechten Hand (Sean Hayes, „Scrubs“), sorgt immer wieder für ein plötzliches Stimmungshoch.

Nichtsdestotrotz ist das Grundthema ein eher trauriges, so dass auch zartbesaitete Gemüter auf ihre Kosten kommen und sich dem Reiner’schen Pathos und Gefühl hingeben können. Vor allem Freeman muss bei seinem verwöhnten und reichen Pendant Aufklärungsarbeit rund um Leben, Familie und Anstand geben. Zynisch mögen hier nur manche Sprüche erscheinen, zumindest oberflächlich betrachtet. Der Tenor des Films ist eindeutig, wenn Freeman erst seiner Frau den Rücken kehrt, später dann aber plötzlich wieder die wahren Familienwerte erkennt. Dann weiß man, was der Film sagen möchte. Auch ein verbitterter Nicholson findet in den Schoß der längst vergessenen Familie zurück. Daran sollte man sich jedoch nicht stören, denn allzu moralingetränkt ist die Geschichte unter dem Strich nicht geraten. Und wenn man dies doch so empfinden möchte, reißen seine beiden Darsteller einiges wieder raus.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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