I Am Legend (USA 2007)

iamlegendUnd wieder ist Robert Neville (fast) allein auf Erden. „I Am Legend“ ist bereits die dritte Leinwandfassung des wahrhaft legendären Romans von Richard Matheson. „Constantine“-Regisseur Francis Lawrence verlegt das Geschehen von der amerikanischen West- an die Ostküste und macht New York abermals zum Ground Zero. Jener Robert Neville, ehemaliger Armeeoffizier, Wissenschaftler und Familienvater, fristet in der menschenleeren Metropole ein einsames Dasein. Drei Jahre zuvor hat ein von ihm mitentwickeltes Virus den Planeten entvölkert. Eigentlich sollte es Krebs heilen. Stattdessen löschte es die Menschheit aus.

Der Beginn zeigt die Gelehrte Emma Thompson („Sinn und Sinnlichkeit“), die im Fernsehen mit sichtlichem Stolz den Durchbruch ihrer Forschung darlegt. Mit dem folgenden Bild- und Zeitsprung ist das gegenwärtige Ende erreicht. In ihm schwingt leichte Irritation mit. Neville, stark gespielt vom abonnierten Spaßvogel Will Smith („Hitch – Der Date Doktor“), braust mit einem rot funkelnden Sportwagen durch die Straßenschluchten. Von Düsternis keine Spur, dafür das warme Farbenspiel eines klaren Spätsommertages. Im wirkungsvollen Kontrast steht das Stadtbild mit seinen verwaisten Autos, den leeren Gebäuden und der gespenstischen Stille.

Zusammen mit Schäferhündin Samantha ist der Großstadt-Robinson auf der Jagd. Er ist Immun gegen das Virus. Warum weiß er nicht. Das aufmerksame Rotwild in den Avenues hat den geschäftigen Alltagstrubel ersetzt. Dazu eine Löwenfamilie, die dem verbliebenen Menschen seine Beute streitig macht. Lawrences Dystopie hat den anderen Filmfassungen des Stoffes die Rückgewinnung der urbanen Ballungsräume durch die Natur voraus. Mais im Central Park, durch die Asphaltdecke drückende Grashalme. Das Grün im städtischen Grau atmet auf. Der Preis für dies groteske Idyll war horrende.

In Rückblicken wird das Schicksal der Bevölkerung, herunter gebrochen auf Neville und seine Familie, sichtbar. Zurück bleibt nur er. Und die grässlichen, bei Nacht auf Jagd gehenden Kreaturen. Die Epidemie verwandelte diejenigen, die nicht das kleinere Übel eines schnellen Todes erfahren durften, in fleischfressende Monster. Verschanzt in einem gesicherten Appartement forscht Neville weiter nach einem Heilmittel. Als unfreiwillige Probanden müssen die zombiehaften Mutanten herhalten. Doch sind die trotz abgeschlossener Entmenschlichung klüger, als es ihr einsamer Opponent geglaubt hat.

Mit den schwachen Animationen der Nachtgeschöpfe schwindet die Überzeugungskraft. Die akribische Darstellung des Alltags in dieser Welt, die aus Postmoderne Postapokalypse machte, verspricht eine Tiefe, die das Blockbusterbrimborium der zwangsweisen Zuspitzung nicht einlösen kann. Über weite Strecken ist „I Am Legend“ atmosphärisch herausragendes Hollywood-Kino. Am Ende aber betrügt sich der Film um den eigenen Nachhall, indem er mit Auftauchen der Überlebenden Anna (Alice Braga, „City of God“) eine Religionsmentalität mit reaktionären Vorsehungstendenzen offenbart. Vertraue auf Gott oder geh zum Teufel. Der unnötig überzogene Schlusspunkt eines im Grunde hochkarätigen Lichtspiels.

Wertung: (7 / 10)

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