A Boy and His Dog (USA 1975)

aboyandhisdogDas wohl bekannteste Werk des hierzulande weitgehend unbeachteten Autors Harlan Ellison ist „A Boy and His Dog“. Mit seinem provokanten, nicht selten radikalen Schreibstil zeichnete der US-Autor das Bild einer barbarischen Zukunft. Auszeichnungen folgte der Ruf Hollywoods. Der Urheber selbst machte sich an ein Drehbuch, warf aber bald entnervt das Handtuch. Vollendet wurde es von Schauspieler L.Q. Jones, bekannt durch Western wie „The Wild Bunch“ oder „Leise weht der Wind des Todes“, der anschließend auch die Regie übernahm. Ellisons zynischer Beigeschmack wich so einer ironischen Bissigkeit, die der brillanten Vorlage trotz fehlender Schärfe jederzeit gerecht wird.

2024 hat ein Atomkrieg die Erde verwüstet. Der ewig geile Vic („Miami Vice“-Star Don Johnson) und sein Hund Blood, mit dem er telepathisch in regem Zwiegespräch steht, sind Wanderer in dieser entarteten Welt. Der Mensch besorgt das Futter, das Tier die Weiber. Ihre Zweckgemeinschaft funktioniert so lange, bis Vic die Bekanntschaft der aufreizenden Quilla June (Susanne Benton, „Catch 22“) macht. Blood beschleicht in ihrer Anwesenheit ein ungutes Gefühl. Doch der uneinsichtige Don Juan lässt sich von den mahnenden Worten seines pelzigen Mentors nicht überzeugen, wird von ihr in eine unterirdisch hausende Spießergesellschaft eingeführt und als Samenspender ausgebeutet.

Die überspitzt satirische Zukunftsaussicht bietet ein entartetes Szenario, in der das Recht des Stärkeren regiert. Die Rolle der Frau beschränkt sich auf Sex, zu dessen Praktizierung nicht einmal ihr Einverständnis vonnöten ist. Der in Deutschland unter dem Titel „In der Gewalt der Unterirdischen“ gezeigte Film ist ein klassisches B-Movie, der den teils absurden Look prächtig in das karge Bildnis aus Wüste und Trümmern zu integrieren versteht. Menschlichkeit ist passé, an ihrer Statt bestimmt Gewalt das Alltagsgeschehen. Oder der Gang ins Pornokino, schließlich findet sich nicht überall eine Frau zur erzwungenen Begattung.

Der unbekümmert aufspielende Don Johnson harmoniert trefflich mit dem im Original von Tim McIntire („Brubaker“) gesprochenen Hund. Dies ungewöhnliche Leinwandduo tritt in vertauschten Rollen auf. Das Tier handelt vernunftorientiert, der Mensch folgt nur den Trieben. In der Unterwelt erhält er dafür die Quittung. Am derben Schlusspunkt entkommt er mit Quilla Junes Hilfe und trifft beim Wiedersehen mit Blood eine Entscheidung, die jeder Frauenliga wie ein Schlag ins Gesicht erscheinen dürfte. Die Machart ist von vorgestern, was den Spaß an der herrlich respektlosen Groteske nicht zu trüben vermag. Ein starker Film und mehr noch ein unterschätzter Klassiker der Science-Fiction.

Wertung: (8 / 10)

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