Hellraisers and Beerdrinkers – Pub Crawl (2019, DIY)

Wer hat je behauptet, die irische Auslegung des Folks wäre allein auf das Vereinigte Königreich – oder die US-amerikanische Ostküste – beschränkt? Das Party-Kollektiv HELLRAISERS AND BEERDRINKERS (alternativ: HELLRAISERS ‘N BEERDRINKERS) aus Schwäbisch Gmünd tritt jedenfalls den Beweis an, dass das Genre überall verwurzelt sein kann – und obendrein auch ohne traditionelle Fiddle oder Flöte funktioniert. Stattdessen unterstreicht das Quintett mit Akkordeon und Mandoline die Vielseitigkeit des Genres.

„Pub Crawl“ ist der zweite Langspieler der Süddeutschen, bei dem neben dem Bandnamen auch der Titel eine Sorglosigkeit impliziert, die sich in den zwar oft ironischen, dabei aber gern auch willkommen kritischen Texten nicht durchweg widerspiegelt. Den Startschuss markieren mit „Honkytonk“ und „Home“ putzmuntere Umtrunk-Beschallungen, bei denen das Kollektiv den folkloristischen Grund mit rockiger Ader versiegelt. Der Gesang gibt sich rau und kraftvoll; die hymnische Erdung erfolgt in den zahlreichen Chören, die den Refrains in Sachen Mitgröl-Animation einen gehörigen Schub verleihen.

So könnte es souverän weitergehen, ein wenig vorhersehbar vielleicht, aber zweifelsfrei gefällig. Doch mit „Arbeit“ kommt das entscheidende Moment zum Tragen: der Wechsel zum deutschen Gesang. Sprachlich können HELLRAISERS AND BEERDRINKERS so aus dem Vollen schöpfen und ihre Stärken als „Gaudi-Kollegen“ trefflich ausspielen (weitere Anspieltipps: „Gaudium fürs Folk“ und „Heidenspaß“). Doch soll das mitnichten bedeuten, die in englischer Sprache dargebrachten Tunes würden ihre Reize weit geringschätziger ausspielen (siehe „1000“ und „Beer“). So ist „Pub Crawl“ über zehn Stücke nicht allein eine echte Entdeckung, sondern vorrangig ein exzellenter Grund zum Feiern.

Wertung: 7.5 out of 10 stars (7,5 / 10)

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