Halloween Kills (USA 2021)

„Michael Myers has haunted this town for forty years. Tonight, we hunt him down. “ – Selbstbewusst rachsüchtig: Allyson

Ein abgenutztes Slasher-Franchise geht in die nächste Runde. Dabei muss bei Michael Myers keinesfalls über den Status der Genre-Ikone diskutiert werden. Er ist eben nicht allein Täter, sondern auch Opfer; von windigen Produzenten, die immer wieder aufs Neue versuchen, den klassischen Stoff veritabel aufzubereiten. Mit oft bescheidenem Qualitätsauskommen. Nun konnte David Gordon Greens „Halloween“ (2018) kein Mangel an Ambition zum Vorwurf gemacht werden. Gemessen am Anspruch der einzig wahren Fortsetzung fiel das Resultat allerdings arg beliebig aus.

Die Erwartungen an das unmittelbar verknüpfte, wiederum von Jason Blum („The Purge“) produzierte Sequel – immerhin Myers’ elfter Kinoeinsatz – gediehen denn auch erwartbar niedrig. Was sollte auch anderes dabei herauskommen, als Hauen und Stechen nach bewährtem Muster? Was Green und Co-Autoren, darunter erneut Comedian Danny McBride („Eastbound & Down“), zugutegehalten werden muss, ist eine gesunde Treue zum Original von 1978. Für die steht weniger Scream Queen Jamie Lee Curtis, für die „Halloween Kills“ auch schon die sechste Teilhabe an der durch Fortsetzungen und Reboots recht unübersichtlich gewordenen Reihe bedeutet, sondern vorrangig der direkte Rückblick in die initiale „Nacht des Grauens“.

Der wird durch den einleitenden Fund des niedergestreckten Polizei-Veteranen Hawkins (Will Patton, „Postman“) eingeläutet, der in der visuell eng an John Carpenters Ursprung angelehnten Rückschau als Jüngling (gespielt von Thomas Mann, „Kong: Skull Island“) an der Jagd auf Myers beteiligt ist. Dass per Einschnitt selbst der lange verstorbene Donald Pleasance als Dr. Loomis in Erscheinung treten darf, lotst die Fans souverän in komfortable Gefilde. Soweit zur Tradition, die auch durch weitere wiederkehrende Figuren gestützt wird, allen voran den von Curtis‘ Final-Girl-Blaupause Lorie Strode dereinst als Babysitterin gehüteten Tommy Doyle (Anthony Michael Hall, „Breakfast Club“).

„You can’t close your eyes and pretend he isn’t there. Because he is.“ – Laurie

Mit dem Sprung in die Gegenwart zeigt sich jedoch der wahre Kern des Streifens: Während nämlich die schwer verletzte Laurie samt Tochter Karen (Judy Greer, „Jurassic World“) und Enkelin Allyson (Andi Matchiak, „Life Snatcher“) ins Krankenhaus bugsiert wird, rückt die Feuerwehr zum Löschen ihres Hauses an. Der im Keller eingesperrte Myers nutzt die Chance zur Flucht und stellt früh die Weichen, dass sich „Halloween Kills“ in Sachen Opferzahl zum ergiebigsten Beitrag der Serie aufschwingt. Dass die (Neben-)Figuren durch konfrontative Reaktionen auf Myers‘ Erscheinung bevorzugt bar jeder Vernunft handeln, verortet den partiell überaus blutigen Aderlass jedoch in standardisierten Slasher-Gefilden.

Nach straffer erster Hälfte, in der Myers ungewohnt sadistische Züge offenbart, verlieren sich Green & Co. im Streben nach narrativem Variationsspielraum. Das führt zu Längen, gerade wenn ein von Doyle aufgewiegelter Lynch-Mob einem Verdächtigen nachstellt und die Myers’sche Bestialität auf die Kommune überspringen lässt. Dieser Verlust von Menschlichkeit ist der größte Knackpunkt, da er schlussendlich ins Nichts reicht. Denn wo der Vorgänger bestrebt schien, dem Killer mit der fahlen Maske ein Stück seiner Übermenschlichkeit zu nehmen, ist er hier am Ende trotz ergrautem Haupthaar (und Kurzauftritt von Ur-Myers Nick Castle) doch wieder das personifizierte Böse, der unsterbliche Boogeyman, so dass Green dem Carpenter-Entwurf schlussendlich doch keine neuen Seiten abringen kann.

Damit fällt das Ergebnis auch diesmal schmaler aus als die erkennbare Ambition. Genre-Befürwortenden und Franchise-Vertrauten wird trotzdem genug geboten (erwähnenswert ist u. a. die Masken-Referenz an „Halloween III“ (1982) in der Spielplatz-Sequenz), um „Halloween Kills“ nicht als die Gurke erscheinen zu lassen, die einige Medien erkannt haben wollen. Allerdings steht „gut“ auch diesmal nicht in derselben Ecke wie „gut gemeint“, obgleich der gewalttätigere „Extended Cut“ zumindest die Gorehound-Fraktion versöhnlich stimmen sollte. Das alternative Ende dieser Fassung ist übrigens lediglich eine Erweiterung des Cliffhangers, die das kommende Duell deutlicher hervorhebt. Dann bis zur nächsten Runde, Michael Myers.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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