Halloween – Die Nacht des Grauens (USA 1978)

halloweencarpenter„It’s Halloween, everyone’s entitled to one good scare.”

Im Frühling des Jahres 1978 entstand eine der erfolgreichsten amerikanischen Independent-Produktionen aller Zeiten, ein auf minimalistischem Grundkonzept beruhendes Werk, welches einen bis zu diesem Zeitpunkt nahezu unbekannten Regisseur in die Annalen der Filmhistorie katapultieren sollte. Der Regisseur trägt den Namen John Carpenter, der Film den Titel „Halloween“. Binnen drei Wochen mit einem Budget von nur 300.000 Dollar realisiert, gilt der wegweisende Schocker bis heute als Paradebeispiel filmischer Suspense-Sublimierung und begründete offiziell das Genre des Slasherfilms.

In der Halloween-Nacht des Jahres 1963 ersticht der sechsjährige Michael Myers seine Schwester mit einem Küchenmesser. Nach fünfzehn Jahren in einer Nervenheilanstalt bricht Myers aus und macht sich auf den Weg in seinen Geburtsort Haddonfield. Dort stellt er – verfolgt von seinem Arzt Sam Loomis (Donald Pleasance, „Die Klapperschlange“) – der jungen Laurie Strode (Jamie Lee Curtis, „True Lies“) und ihren Freunden  (u.a. P.J. Soles, „The Devil’s Rejects“ und Nancy Kyes, „Assault on Precinct 13“) nach. Es beginnt eine Nacht des Grauens…

Die Idee zu „Halloween“ geht zurück auf den Produzenten Irwin Yablans („Prison“, „Arena“), der den Film zusammen mit dem Syrier Moustapha Akkad finanzierte. Letzterer sollte der Reihe auch bei all ihren Ablegern die Treue halten. John Carpenter („The Fog“, „The Thing“) komponierte neben seiner Tätigkeit als Regisseur auch den legendären Score, der mehr noch als Killer Michael Myers zum Aushängeschild der Serie avancierte. In Zusammenarbeit mit Debra Hill, die ihn bei vielen seiner Projekte unterstütze, schrieb Carpenter zudem das Drehbuch. Am 7. März 2005 erlag Debra Hill im Alter von 54 Jahren einem Krebsleiden.

Mit „Halloween“ brach ein neues Zeitalter des Horrors an. Zwar gilt Mario Bavas „Bay of Blood“ (1971) gemeinhin als erster Slasherfilm, doch verlieh Carpenter dem willkürlichen Morden durch Serienkiller Michael Myers erstmals ein konstantes Gesicht. Diese Identifikationsfigur des Bösen – dessen Maske das veränderte Konterfei von „Star Trek“-Captain William Shatner zeigt – ist das unberechenbare Übel, der leibhaftige ‘Schwarze Mann’. Das Element des Scharfrichters einer moralisch verdorbenen Jugend prägte die Gattung des Schlitzer-Genres maßgeblich und verkam im Laufe der Zeit vom Stilmittel zum Klischee.

Trotz geringem Aufwand generiert John Carpenter Höchstspannung. Blut oder explizite Gewaltdarstellung braucht es dazu nicht. Die Geschehnisse bleiben meist vage und finden vornehmlich im Kopf des Zuschauers statt. Absoluter Höhepunkt ist die fulminante Schlusssequenz, in der sich das Böse hinter der Maske als übermenschliches Abbild des Schreckens entpuppt. „Halloween“ gab den Stein des Anstoßes einer wahren Fülle an Nachahmern, die bis Mitte der Achtziger die Kinos überfluteten und schließlich im Bereich der Videoproduktion ausliefen. Sicher hat der Zahn der Zeit auch an Carpenters Original seine Spuren hinterlassen, doch hat die Mutter des filmischen Serienkiller-Horrors über die Jahre nur wenig ihres Reizes eingebüßt.

Wertung: (9 / 10)

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