Halloween (USA 2018)

„He’s waited for this night. He’s waited for me. I’ve waited for him.” – Laurie Strode

Wow, ein „Halloween“-Aufguss mit Jamie-Lee Curtis. Das gab es noch nie! Außer in Teil zwei, sieben und acht. Doch der jüngste Part der Saga ist komplett anders, weil er sämtliche Nachfolger des Originals missachtet und damit das einzig wahre Sequel darstellt. Soweit zur Theorie. Sogar das Feuilleton berichtete wohlwollend über David Gordon Greens („Pineapple Express“) mit dem Segen (und der Produktionsbeteiligung) der Serienerfinder John Carpenter und Debra Hill realisierte Fortsetzungsalternative. Sein Beitrag ist der mittlerweile elfte Teil der Reihe, Rob Zombies überflüssiges Remake/Reboot (samt eigenem Sequel) und den thematisch vollends aus dem Rahmen fallenden zweiten Nachklapp („Season of the Witch“) mit eingerechnet.

Der Vorteil des von Green und den neben ihm als Drehbuchautoren gelisteten Jeff Fradley und Danny McBride („Eastbound & Down“) gewählten Ansatzes: Diesmal kommt Michael Myers wirklich zurück. Ohne Rechtfertigungszwang, ohne Erklärungsnot für das weitere Fortleben des markant maskierten Serienmörders. Für die Fans der ersten Stunde – und die einer neuen Generation – sollte das Anreiz genug sein. Vor allem aufgrund der Optik. Green zitiert und zollt Tribut, wo er immer kann. Das beginnt bei den Anfangstiteln, setzt sich in feinen Details fort (nerdiges Highlight: die Narbe an Myers Hals, die ihm im Original durch einen Kleiderbügel beigebracht wurde) und endet mit der von Carpenter dezent variierten, ikonischen Filmmusik.

Die Krux: Das allein reicht nicht aus. Denn so sehr sich die Stand-Alone-Fortsetzung auch bemüht, lediglich dem wegweisenden Auftakt gerecht zu werden, am Ende bedient sie kaum mehr als Hollywood-Sequel-Standard. Da hilft bedingt, dass die mittlerweile 60-jährige Jamie-Lee Curtis mit Wonne in die Rolle zurückkehrt, die ihre Karriere 1978 begründete. Die von ihr verkörperte Laurie Strode hadert auch vier Jahrzehnte nach der Halloween-Mordnacht mit dem durchlebten Grauen. Ihr Haus im beschaulichen Haddonfield gleicht einer Festung, sie selbst führt ein Leben in relativer Isolation. Tochter Karen (Judy Greer, „Jurassic World“) hat sie durch paranoide Abschottung und Survival-Übungseinheiten in die Entfremdung getrieben. Darunter leidet auch das Verhältnis zu Teenager-Enkelin Allyson (Andi Matichak). Doch Laurie soll Recht behalten.

Ein Malus von Greens „Halloween“ ist, dass die brillante Schlusssequenz des Originals, die Myers als Quasi-Personifizierung des Boogeyman auslotete, in ihrer Konsequenz – trotz gelungener Variierung mit verkehrten Rollen – ignoriert wird. Der Killer wurde verhaftet. Das war’s. Da zudem das in „Halloween II“ (1981) aufgeworfene Verwandtschaftsverhältnis zwischen Laurie und Myers keine Rolle spielt, erscheinen sowohl Lauries Obsession als auch Michaels Motivation überschaubar sinnhaft. Warum hat sich Laurie – wie in „Halloween: H20“ (1998) – nicht einfach unter anderem Namen anderswo angesiedelt? Fraglos finden Slasher und Logik nicht reibungsfrei zusammen. Für einen Film, der sich bereits per Konzept über die übrigen Sequels erhebt, bietet „Halloween“ aber schlicht zu viel Beliebigkeit.

Zumal das grundlegende Konstrukt des während eines Verlegungsprozesses ausbüxenden Mörders aus dem keinesfalls schlechteren „Halloween 4“ (1988) bekannt ist. Zur Flucht wird der gealterte Myers, ohne Maske (in Rückansicht) verkörpert von Original-Darsteller Nick Castle, von sensationsgierigen Reportern (u. a. Jefferson Hall, „Taboo“) getrieben, die ausgerechnet seine weiße Maske mit sich führen. Also folgt die Heimkehr nach Haddonfield, die manch optisch bestechende Szene nach sich zieht, häufig aber einfach typische Klischees bedient. Die Polizei, vertreten durch Will Patton („Armageddon“), ist dem Schrecken nicht gewachsen, so dass es am Ende selbstredend an Laurie ist, sich Myers entgegenzustellen. So wird zwar zusammengebracht, was thematisch zusammengehört, zwingend gebraucht hätte es diese fraglos ambitionierte, schlussendlich aber weitgehend standardisierte Fortsetzung nicht.

Wertung: (5 / 10)

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