Halloween II – Das Grauen kehrt zurück (USA 1981)

halloween2rosenthalNach dem gewaltigen Erfolg von John Carpenters „Halloween“ schien eine Fortsetzung des Stoffes unumgänglich. Nicht zuletzt, weil Paramount durch seinen nicht minder erfolgreichen Genrebeitrag „Friday the 13th“ das subkulturelle Phänomen des Slasherfilms endgültig etabliert hatte. Die Zeit schien also gekommen, den Namen Michael Myers erneut ins Gedächtnis des Zuschauers zu stanzen. Doch folgte der erste Rückschlag durch die Absage Carpenters, der lieber seinem Wunschprojekt „Escape From New York“ Folge leistete. Nachhaltig betrachtet sicher die richtige Entscheidung, obgleich er in neuerlicher Interaktion mit Debra Hill als Produzent und Autor auch seinen Beitrag zu „Halloween II“ leistete.

Bereits der zweite Aufguss der Reihe krankt an jenem für Fortsetzungen dieser Gattung beinahe obligatorischen Mangel an Originalität. Vielmehr zeigt sich der Streifen bemüht, die Abstinenz guter Ideen durch erhöhten Blutgehalt zu übertünchen. Dabei lässt die handwerklich eher plump zusammengeschusterte finale Sequenz des Originals, die hier als direktes Verbindungsglied zum Nachfolger dient, noch Hoffnung aufkeimen. Vorrangig präsentiert wird dabei die unkoordinierte Hatz der sichtlich überforderten Obrigkeit Haddonfields auf den flüchtigen Mörder Michael Myers, hier verkörpert durch den Stuntman Dick Warlock („Abyss“, „Casino“).

Dieser räubert auf seiner von subjektiven Kameraeinstellungen gesäumten Flucht das behelfsmäßige Küchenmesser eines alten Ehepaares, welches zwischen beunruhigenden Nachrichtendurchsagen gebannt die Ausstrahlung von George A. Romeros „Night of the Living Dead“ verfolgt. Geschwind wird noch Nachbars einfältiges Töchterchen massakriert, bevor Myers Reise durch die finstre Nacht seine unbehelligte Fortsetzung findet. Unbehelligt, weil Doktor Loomis (Donald Pleasance, „Das Wiegenlied vom Totschlag“) in zwischenzeitlichem Größenwahn und unter den Augen des tatenlosen Sheriffs mit wild geschwungenem Revolver einen unschuldigen Teenager im subversiven Myers-Outfit vor den Kühler eines heranrasenden Polizeifahrzeugs scheucht. Natürlich muss der Bengel in der verheerenden Feuersbrunst einer Explosion noch an der Seitenfront eines Lieferwagens zerquetscht werden, das Publikum will schließlich unterhalten werden.

Deklariertes Ziel für Myers bleibt derweil die endgültige Ausradierung Laurie Strodes (Jamie Lee Curtis, „Perfect“), die aufgrund ihrer Verletzungen des Vorgängers ins örtliche Hospiz eingeliefert wird. In schelmischer Großaufnahme – wir befinden uns nicht ohne Grund in den wilden Neunzehnachtzigern – bekommt der gebeutelte Teenager alsbald eine freudenspendende Injektion verabreicht. Gen örtliches Krankenhaus verschlägt es schließlich auch den lethargischen Unhold, was in logischer Konsequenz die gewohnte Staffel stereotyper Charaktere mit schwindender Daseinsberechtigung auf den Plan ruft. Erhöhtes Patientenaufkommen gibt es im Krankenhaus von Haddonfield nicht zu vermelden, so dass die angestellten Personalitäten zwischen permanent intoniertem Geschwafel der dringlichen Rückkehr zur Station brav durch die Gänge stelzen, bis der maskierte Kollege Schlagetot emsig um sich schlitzt.

Überdies scheint Michael Myers der einzige zu sein, der das uninspirierte Drehbuch gelesen hat, weiß jener doch stets, wo er aufzutauchen hat, um größtmögliches Unheil über die beteiligten zu streuen. Nur die komatöse Laurie vermag der schleichende Serienkiller nicht in Reichweite seines beflissenen Mordwerkzeuges zu treiben, nimmt diese doch zwischen unmotiviertem Versteckspiel und keuchender Flucht immer dann an Fahrt auf, wenn der skalpellschwingende Geisteskranke um die Ecke stapft. Pünktlich zum Showdown findet sich auch Doc Loomis in der Klinik ein, um sich und seinen gesuchten Patienten bei fortwährender Beschwerung durch die Ladung seiner Pistole und erhöhter Gasung endgültig aus dem Leben zu brutzeln.

Subtilität ade! Schleppend und nur auf die mitunter recht drastische Beseitigung seiner hinderlichen Randcharaktere bedacht, lässt „Halloween II“ beinahe alle auszeichnenden Attribute des Originals vermissen. Statt dessen prescht der maue Aufguss durch den Zurückhalt jeglicher Logik und der maßlosen Klischeeüberfrachtung des Kontextes nach vorn. Dabei wäre das Ergebnis des unerfahrenen Regisseurs Rick Rosenthal („Bad Boys“) womöglich noch schlimmer ausgefallen, hätte der angeblich erboste John Carpenter nicht im Zuge der von NBC verlangten Erweiterung des Erstlings zu Nachdrehs gebeten und „Halloween II“ eigenhändig umgeschnitten.

So präsentiert sich das erste von bislang sechs Sequels – da „Halloween III“ aufgrund seines entfremdeten Inhaltes nicht zur eigentlichen Reihe hinzu gezählt werden kann – als zeitgemäß Gore-lastige Weiterführung der Schauermär um Michael Myers. Seinem berüchtigten Ruf wird der Streifen allerdings kaum gerecht. Unsanft in Augenregionen gestochene Injektionsnadeln, ausblutende Krankenschwestern und das übliche Hantieren mit spitzen Gegenständen mögen im Vergleich zum unblutigen Original abwechslungsreiche Tötungsszenarien markieren, die oft zitierten Kürzungen in Deutschland und England sowie die 1990 vollzogene Beschlagnahmung des Films durch die Bundesprüfstelle rechtfertigen diese Segmente aus heutiger Sicht jedoch kaum.

Vielmehr lassen unzählige Kleinigkeiten, beispielsweise die weit aufgerissenen Augen in den Sehschlitzen der Myer´schen Maske, die wenig erbauliche Abwandlung von Carpenters legendärem Originalscore oder die hanebüchenen Verhaltensstrukturen der Protagonisten „Halloween II“ in wenig glanzvollem Licht erstrahlen. Da verblasst selbst die viel zu früh durchschaubare Wendung der offenkundigen Verwandtschaft Laurie Strodes zu Michael Myers als motivbescherender Motor der wahnsinnigen Mordmaschinerie. Trotz zahlreicher Negativkritiken brachte es „Halloween II“ auf ein stattliches Einspielergebnis von 25,5 Millionen Dollar. Jedoch kreiert der Film zu selten echte Momente der Spannung und überstrapaziert in zahllosen Einstellungen die verwaisten Gänge des Krankenhauses. Was im Overlook Hotel von Kubricks „Shining“ virtuos funktioniert, muss eben nicht auch zwangsläufig im Hospital von Haddonfield seinen Zweck erfüllen. Immerhin sichert die routinierte Kameraarbeit von Dean Cundey („Zurück in die Zukunft I – III“) zeitweiliges Aufkommen von Atmosphäre. Dem klassischen Original kann die direkte Fortsetzung das Wasser jedoch in keiner Weise reichen.

Wertung: (5 / 10)

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