Game of Survival – Terror in der Bronx (USA 1985)

„This is some sick revenge shit, man.“ – Washington

Die Bronx war in den mittleren Achtzigern kein Ort zum Wohlfühlen. Armut, Verfall und Kriminalität verliehen dem heutigen New Yorker Szeneviertel einen berüchtigten Ruf. Der minimalistische Sleaze-Thriller „Game of Survival“ (OT: „Tenement“) nutzt den sozialen Zündstoff für ein Home-Invasion-Szenario nach Bauart des Bahnhofkinos. Dass der in nahezu sämtlichen Belangen unzulängliche Streifen bis heute in Erinnerung geblieben ist, liegt unter anderem daran, dass er als einer der wenigen Filme aufgrund expliziter Gewaltdarstellung ein X-Rating erhielt.

Jene kommerziell verheerende Altersfreigabe ist in den USA für gewöhnlich Pornofilmen vorbehalten. Hier garantiert sie bis heute einen gewissen, unzweifelhaft verruchten Status. Brutal, blutig und moralisch enthemmt ist die von der Sleaze-erprobten Billigfilmerin Roberta Findlay („Blood Sisters“), die wie beim ähnlich verrufenen „Snuff“ (1976) auch hier die Kamera führte, holprig abgespulte Trash-Kuriosität allemal. Ernstnehmen kann man das wüste Treiben zu keiner Zeit. Über eigentümlich abgründigen Reiz verfügt der fiese Schocker trotzdem.

In dem hat sich die Gang des markigen Brustrasierers Chaco (Enrique Sandino) im Keller eines zwischen Autowracks und verwilderten Grünstreifen isoliert gelegenen Wohnhauses in der Bronx einquartiert. Hausmeister Rojas (Larry Lara) ruft die Polizei und lässt die Störenfriede abführen. Doch Chaco ist weitsichtig genug, Waffen und Drogen zu verstecken. Während sich der Initiator der Räumungsaktion damit brüstet, das „Ungeziefer“ aus dem Gebäude vertrieben zu haben, bereitet die Bande (als einziges bekanntes Mitglied dabei: Paul Calderón, „Bad Lieutenant“) ihre Rückkehr vor und nimmt im Drogenrausch Rache an den Bewohnern.

Die Hoffnung der Eingeschlossenen ruht auf dem wehrhaften Handwerker Washington (Joe Lynn). Doch auch er kann nicht verhindern, dass die Heim-Invasoren Stockwerk um Stockwerk einnehmen und jeden Bewohner töten, der in ihnen in die Hände fällt. Der Hauch von „Assault on Precint 13“ (1976) schlägt sich bestenfalls in der düsteren Atmosphäre wider. Nur wird die durch willkürlich eingeblendete Zeit- und Ortsangaben, schlichte Figuren und handwerkliche Aussetzer (Kamera und Mikrofongalgen werfen immer wieder deutliche Schatten) fortwährend konterkariert.

Ein weiteres Problem: Der in keiner Szene dem technischen Standard des Produktionsjahres 1985 gerecht werdende Film zieht sich. Allen voran, weil die Gang nicht von Eile getrieben ist. So bleibt für die mehr und mehr zurückgedrängten Bewohner immer ausreichend Zeit zum Verschnaufen, Verbarrikadieren und später auch Fallenstellen, da die Eindringlinge in jedem neu erschlossenen Stockwerk erst Mobiliar zertrümmern müssen. Bei der Stange hält die akute Übertreibung – die der in Teilen laienhaften Darsteller und die der roh ausgebreiteten, häufig jedoch lediglich angedeuteten Gewalt.

Da wird einer Frau, die sich der Vergewaltigung mit einer eilig gegriffenen Schere erwehrt, mit einem ins Geschlechtsorgan getriebenen Besenstiel der Garaus gemacht. An anderer Stelle wird Heroin mit Rattengift gestreckt, um die Reihen der Bandenmitglieder zu lichten. So geht es hin und her, bis der verlustreiche Kleinkrieg auf dem Dach des Mietshauses einer Entscheidung entgegenstrebt. Dass die bedrohten Bewohner kaum eine glaubhafte emotionale Regung (oder Gegenmaßnahme) zeigen, kann als zynischer Kommentar auf die Abstumpfung in urbanen Ballungsräumen interpretiert werden. Oder – weit passender – als Auswuchs eines schlicht zusammengeschriebenen Schundfilms gelten.

Wertung: (4 / 10)

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