From Hell (USA 2001)

from-hellJack is back…

Bereits mit ihrem 1993 erschienenen Debüt „Menace II Society” erregten die beiden damals 21-jährigen Zwillingsbrüder Allen und Albert Hughes großes Aufsehen. Trotz des kontroversen Themas und der schonungslosen Darstellung des tristen Ghettoalltags von Afroamerikanern ernteten sie viel Kritikerlob und Anerkennung. Der Independentfilm erwirtschaftete bei 2,5 Millionen Dollar Produktionskosten mehr als 30 Mio. (ein Gewinnquotient von 1.100 %, dieser Rekord wurde erst 1999 von „Blair Witch Project” eingestellt) und ermöglichte den beiden neue Projekte.So entstand 1995 „Dead Presidents”, mitfinanziert von der Disney-Tochter Hollywood Pictures und aus Sicht der Traumfabrik der vorläufige Absturz der zuvor als große Talente gefeierten Regisseure. Der verstörende und beizeiten ultrabrutale Gangsterfilm war für die oft gepriesene Political Correctness ein offener Schlag ins Gesicht. Als die Hughes-Brothers vier Jahre später eine Dokumentation über Zuhälter in Amerika folgen ließen, schrieb man sie endgültig ab.

Doch 20th Century-Fox Präsident Tom Rothman ermöglichte ihnen aller Negativresonanz zum trotz, mit „From Hell” ihre erste große (bei knapp 35 Millionen Dollar Budget immer noch verhältnismäßig günstige) Hollywoodproduktion zu inszenieren. Gedankt wird ihm dieses Vertrauen mit einem der beeindruckendsten Werke, das Amerikas filmische Geldelite seit längerer Zeit hervorgebracht hat. Die Geschichte des Films verschlägt den Zuschauer ins London des Jahres 1888. Dort wird der Opiumsüchtige Inspektor Frederick G. Abberline (Johnny Depp, „Sleepy Hollow”) mit einer Mordserie an Prostituierten im finsteren Armenviertel Whitechapel betraut. Auffälligstes Merkmal der bestialischen Verbrechen sind die mit chirugischem Geschick vorgenommenen Verstümmellungen der Opfer. Diese Entdeckung führt den von vorausgehenden Visionen der abscheulichen Taten heimgesuchten Abberline in die höheren gesellschaftlichen Kreise, in denen ihm lediglich der Leibarzt der königlichen Familie, William Gull (Ian Holm, „Der Herr der Ringe”), beratend zur Seite steht.

Während die Zahl der Opfer steigt, stößt der Inspektor im Zuge seiner Ermittlungen auf ein politisches Komplott, das bis in die Sphären des englischen Königshauses zu führen scheint. Als er sich dann auch noch in das letzte potentielle Opfer des Mörders, Mary Kelly (Heather Graham, „Boogie Nights”), verliebt, wird die Jagd nach Jack the Ripper zum Wettlauf gegen die Zeit. Auch in ihrem dritten abendfüllenden Spielfilm bilden Armut, Gewalt und der Wille zum Überleben das Fundament im Schaffen der Gebrüder Hughes. In düsteren Bildern wandeln ihre Akteure über die blutgefleckten Pflaster von Londons Straßen und Gassen, durch Schmutz, Elend und Tod. Die spannungsgeladene Atmosphäre entsteht dabei durch die grandiose Optik und die stimmungsvolle Ausstattung, während der Schrecken erst durch die subtile Betrachtung der Greueltaten intensiviert wird. Dieser im Stile von „Das Schweigen der Lämmer” vollzogene Effekt bewirkt seinen Spannungsbogen durch die Andeutungen der Gewalt, nicht deren Zurschaustellung. Das Grauen spielt sich vielmehr im Kopf des Betrachters ab. Sicherlich erscheint dieses Stilmittel nicht neu, verfehlt in diesem Fall seine Wirkung jedoch nicht.

Doch was wäre der Atmosphärischste Film ohne glaubwürdig agierende Darsteller? Zum Glück erübrigt sich diese Frage bei der Betrachtung des hier vorhandenen Potenzials erstklassiger Schauspieler, allen voran Johnny Depp, der aufgrund seines distanzierten Spiels des melancholischen Junkie-Inspektors einmal mehr auf ganzer Linie zu überzeugen weiß. Ebenfalls zu überzeugenn wissen auch Nebendarsteller wie Robbie Coltrane („Harry Potter”) und Jason Flemyng („Snatch”). Allen und Albert Hughes ist ein faszinierend-abgründiger Trip in die finstere Seele der viktorianischen Gesellschaft gelungen, der mit einer erstaunlich plausiblen Geschichte, gewürzt mit einer Prise schwarzen Humors aufwartet. Ein weiterer Pluspunkt ist das trotz Studioeinwänden durchgeboxte Ende, welches Freunde typischer Hollywood-Happy-End-Ausklänge ein ungutes Gefühl mit auf den Heimweg geben dürfte. Das einzig traurige an der ganzen Sache ist lediglich, dass „From Hell” aufgrund seiner unaufdringlichen Inszenierung kaum ein Massenpublikum anziehen wird.

Wertung: (8 / 10)

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