Flesh + Blood – Fleisch und Blut (USA/E/NL 1985)

fleshbloodhauerLustig war das mittelalterliche Söldnerleben wohl nur bedingt. Dafür aber, je nach Auftraggeber und Plünderungsquote, immerhin lukrativ. Menschen, die ihre Ideale für Ruhm und Reichtum den Partikularinteressen anderer unterwerfen, gibt es auch in der Filmindustrie zu Hauf. Allen voran natürlich in Hollywood, wo Kino immer noch am offensivsten als Bombast zelebriert wird und aufstrebende Talente aus aller Herren Länder in der Maschinerie kommerzieller Unterhaltungskultur zermürbt werden. Eine Ausnahme ist der niederländische Regie-Provokateur Paul Verhoeven, der Mitte der Achtziger nach Amerika übersiedelte und bereits mit der internationalen Koproduktion „Flesh + Blood“ unterstrich, dass konventionelle Kost mit ihm nicht zu machen war.

Für die Hauptrolle konnte Rutger Hauer gewonnen werden, der mit Verhoeven bereits bei „Türkische Früchte“ sowie „Der Soldat von Oranien“ zusammengearbeitet hatte und durch Filme wie „Blade Runner“ längst international bekannt geworden war. Er spielt Martin, den charismatischen Vorkämpfer einer u.a. mit Bruno Kirby („Harry und Sally“) und Brion James (trat neben Hauer auch in „Blade Runner“, „Die Brut des Adlers“ und „Space Defender“ auf) bestückten Söldnerbande, die ihre Kriegskünste im Westeuropa des aufkommenden 16. Jahrhunderts an den Meistbietenden verkauft. Ihr jüngster Auftraggeber ist der eitle Fürst Arnolfini (Fernando Hilbeck, „Das Leichenhaus der lebenden Toten“), der mit Hilfe käuflicher Heerscharen die ihm entrissene Burg zurückerobern will. Doch hat er nicht mit der Plünderungs- und Schändungswilligkeit der non-idealistischen Berufssoldaten gerechnet.

Die lässt er nach verrichtetem Dienst einfach niedermachen, um den Sold zu sparen, was in Martin und seinen Gefährten Rachegelüste weckt. So entführen sie kurzerhand die Arnolfinis Sohn Steven (Tom Burlinson, „Time Guardian“) versprochene Agnes (spielte mit Hauer auch in „The Hitcher“: Jennifer Jason Leigh). Sie wird von Martin vergewaltigt, erliegt ihm aber in einer Mischung aus Selbstschutz und Faszination. Fortan manipuliert sie ihn, damit dessen Schergen ihr nicht zu nahe kommen. Als der erfindungsreiche Steven, der auch nicht vor der Verseuchung des Trinkwassers mit dem zerstückelten Kadaver eines pockenverseuchten Hundes zurückschreckt, eine von den Söldnern auf ihrem Weg eroberte Feste belagert, muss Agnes Partei ergreifen.

Nein, ein angenehmer Film ist „Flesh + Blood“ wahrlich nicht. Verhoeven präsentiert die simple Geschichte als dreckverkrustete Allegorie auf die Verkommenheit des Menschen. Sympathieträger sucht man vergebens, für die Durchsetzung ihrer Ziele scheint den Protagonisten jedes Mittel recht. Die Figuren bleiben entsprechend kantig, was dem nüchtern ungemütlichen Look aber durchaus zuspielt. Auch bei der Darstellung von Gewalt und Schändung hält sich Verhoeven seinem Wesen als Filmemacher entsprechend nicht zurück. Zur Exploitation verkommt das triste Drama dank der schieren Selbstverständlichkeit der gezeigten Gräuel aber nicht. Über den Realismus des Gezeigten lässt sich dabei zwar streiten, die Wirkung dieses überaus schmutzigen Mittelalter-Portraits hat jedoch zweifelsfrei bis heute Bestand.

Wertung: (7,5 / 10)

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