Hemoglobin (CDN/USA 1997)

hemoglobinWährend der Achtziger erlebte Rutger Hauer in Hollywood goldene Jahre. Als Replikant Roy Batty machte er „Blade Runner“ Harrison Ford das Leben schwer, mit Michelle Pfeiffer erlebte er den märchenhaften „Tag des Falken“ und in „The Hitcher“ brillierte er als Psychopath auf Amerikas endlosen Highways. Anfang der Neunziger aber wurde der Niederländer in die Untiefen preiswerter Videothekengülle gesogen, wo er genötigt wurde mit Albert Pyun („Omega Doom“) zu drehen und gleich reihenweise lustlose Auftritte in drittklassigen B-Filmen („Turbulence 3“) ablieferte. Irgendwo dazwischen rangiert das kanadisch/amerikanische Horror-Drama „Hemoglobin“, das Hauer als Arzt Marlowe nach den Ursachen einer mysteriösen Erbkrankheit fahnden lässt.

Von der befallen ist der gebrechliche John Strauss (so blass wie die Figur selbst: Roy Dupuis, „Screamers“), der mit Gattin Kathleen (Kristin Lehman, „The Way of the Gun“) auf einem kleinen Eiland in New England hofft, das Rätsel seines Siechtums über die Geschichte seiner Vorfahren lösen zu können. Dass er ein Nachfahre der durch inzestuöse Neigungen genetisch veränderten Adelsfamilie Van Daam ist, wird dem Zuschauer vom Fleck weg als logisch verkauft. Trotzdem löst sich bald die Hälfte der Laufzeit in langatmiger Ahnungslosigkeit auf. Dabei war hinter der Kamera etabliertes Fachpersonal vertreten: Mit Peter Svatek („Sci-Fighter“) konnte ein durchaus kompetenter Regisseur verpflichtet werden und dass das Drehbuch mit Beteiligung Dan O’Bannons („Alien“) entstand, entlockt Fans des phantastischen Genres sicher eine neugierig erhobene Augenbraue.

Die allerdings kann sich schnell wieder senken, denn wo das Budget überschaubar schmal ist, sind überzeugende Schauwerte meist Mangelware. Wobei die Erinnerungen an H.P. Lovecraft weckende Plotte auch nicht gerade vor kreativem Genius sprüht. Zwar entfalten Geschichte und Inszenierung ein annehmbares Gruselflair, doch verlaufen die reizvollen Ansätze gutteils in der Belanglosigkeit. Die Nachfahren der Van Daams sind leichenfressende Fleischklumpen, die im weit verzweigten Höhlensystem im Innern der Insel hausen und unter Tage zur Zersetzung der bestatteten Toten beitragen. Als der Friedhof aber aufs Festland verlegt werden soll und den lichtempfindlichen Ghoulen die Nahrung ausgeht, häufen sich nächtliche Attacken an der Oberfläche.

Als schließlich mit einer aufziehenden Gewitterfront die Stromversorgung abbricht, muss die sich eilig im Leuchtturm verschanzte Gemeinde, weitgehend aus dürftigen Charakterklischees bestehend, kollektiv um den Fortbestand bangen. Dass Kinder dabei nicht per se geschont werden und John seine Bestimmung am abgründigen Ende nicht in Gesellschaft der Gattin sieht, mag trotz zwischenzeitig zur Regeneration der Kräfte gereichtem Mumienfötus überraschen. In überzeugender Manier spielen die Macher mit „Hemoglobin“ jedenfalls nicht auf der Klaviatur der filmischen Spannungserzeugung. Ein paar gelungene Ansätze und unfreiwillig komische Monster retten das mit einer Prise Sex sowie vereinzelten Gewaltspitzen garnierte Horror-Drama vor der Versenkung. In guter Erinnerung muss man den Streifen darüber aber nicht behalten.

Wertung: (4 / 10)

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