Blade Runner (USA 1982)

blade-runner„Replicants are like any other machine: They‘re either a benfit or a hazard. If they’re a benefit, it’s not my problem.“ – Mit pragmatischer Berufsauffassung: Deckard

Drei Jahre nach dem wegweisenden Sci-Fi-Horrorfilm „Alien“ legte Ridley Scott mit „Blade Runner“ das nächste Meisterwerk vor. Lose basierend auf Philip K. Dicks Kurzgeschichte „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ spickte der britische Regisseur den philosophischen futuristischen Thriller mit Anleihen bei Film Noir und der urbanen Vision von Fritz Langs „Metropolis“. Doch erst die fünfte Schnittfassung, der sogenannte „Final Cut“, ließ Scott 2007 zur Ruhe kommen.

Das Jahr ist 2019, die Stadt Los Angeles. Von Menschenhand geschaffene Kunstmenschen, sogenannte Replikanten, die aufgrund ihrer Resistenz gegen die widrigen Lebensbedingungen ferner Welten versklavt wurden, sind nach einem blutigen Aufstand von der Erde verbannt. Eine programmierte Lebensspanne von vier Jahren soll die Kontrolle der Schöpfer garantieren. Gegen sie aber rebellieren die lernfähigen Abbilder, denen eingefasste Erinnerungen an ein nicht existentes Vorleben Menschlichkeit vorgaukeln. Mit der Konsequenz, dass manche Replikanten nicht einmal um ihren Ursprung wissen.

Zuwiderhandlungen gegen das strikte Verbot bringen die Blade Runner auf den Plan, Replikantenjäger, die Mensch und Maschine über ausgeklügelte Befragungsmuster und gezielte emotionale Aufwühlung eindeutig unterscheiden – und nach erfolgter Identifikation mit Waffengewalt zur Strecke bringen. Einer dieser Vollstrecker ist der ehemalige Polizist Rick Deckard („Indiana Jones“ Harrison Ford), der den Auftrag erhält vier Replikanten zu eliminieren, die sich gewaltsam eines Shuttles bemächtigten und zur Erde flohen.

Angeführt wird die Gruppe – unter ihnen Daryl Hannah („Wall Street“) und Brion James („Die letzten Amerikaner“) – von Roy Batty (Rutger Hauer, „Flesh and Blood“), der mit Hilfe des Genetik-Designers J.F. Sebastien (William Sanderson, „Nashville Lady“) hofft den vorbestimmten Tod überlisten zu können. Während Deckard sich an die Fersen der Replikanten heftet, verliebt er sich in die elegante Rachel (Sean Young, „Dune – Der Wüstenplanet“), die er zu ihrem Entsetzen kurz zuvor selbst als künstliches Geschöpf identifiziert hat.

Brillant errichtet Scott eine unbehagliche Welt, die nur Kälte und Künstlichkeit zu kennen scheint. Atmosphärisch unterstützt wird er vom Score Vangelis` und undurchsichtigen Nebenfiguren wie dem von „Battlestar Galactica“-Captain Edward James Olmos gespielten Polizisten Gaff. Mit seinem virtuosen, detailreich ausgestatteten Bilderbogen und der Aussicht einer hochtechnisierten wie gleichwohl entmenschlichten Gesellschaft machte Scott den Cyber-Punk salonfähig, verhalf Autor Dick posthum zu Berühmtheit und lieferte Vorlagen für unzählige Filme, Bücher, Comics oder Rollenspiele.

Der „Final Cut“ unterscheidet sich vom bereits 1991 veröffentlichten „Director’s Cut“ nur im Detail. In veränderten Schnittfolgen, neu arrangierten Bildkompositionen und optimierten Spezialeffekten. Gegenüber der Kinofassung fehlt Deckards Off-Kommentar, den Harrison Ford spürbar lustlos einsprach. Auch das unsägliche Happy End der ersten Fassung fehlt. Stattdessen wird selbst Deckards Identität durch Gaff infrage gestellt, als er mit der selbst zum Abschuss freigegebenen Rachel fliehen will.

In seiner schieren Fülle an existenzialistischen Fragen und Ansätzen beschäftigt Scotts düsterer, optisch virtuoser und atmosphärisch bedrückender Sci-Fi-Thriller bis heute – und hat über die Jahre (auch durch die verschiedenen optimierten Versionen) nichts von seiner Faszination eingebüßt. Kurzum: Ein völlig zu recht kultisch verehrter Meilenstein, dessen hypnotischer Tiefe man sich nur schwer entziehen kann.

Wertung: (10 / 10)

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