Enter the Dragon – Der Mann mit der Todeskralle (USA/HK 1973)

der-mann-mit-der-todeskralle„Man, you come right out of a comic book.“ – Präzise wie die Handkante ins Fressbrett: Williams Charakterisierung des schurkischen Han

Es sollte der internationale Durchbruch einer lebenden Legende werden. Was blieb war ihr letzter vollendeter Film. Die Legende heißt Bruce Lee, der Film „Enter the Dragon“ (oder zu Deutsch: „Der Mann mit der Todeskralle“). Durch ihn wurde der bis heute bestehende Kult um die früh verstorbene Martial-Arts-Ikone maßgeblich unterfüttert. Dabei ist es nicht einmal sein stärkster Auftritt. Aber er sollte genügen, durch eine charismatische Präsenz und ein Drehbuch, das nicht von ungefähr als wilde Mischung aus James Bond und Dr. Fu Manchu angelegt ist. Aber es waren die Neunzehnsiebziger, da war alles erlaubt. Hauptsache es ging grell und lässig zu.

Zum Auftakt duelliert sich der kurz vor Kinostart an den Folgen eines Hirnödems verstorbene Lee im Shaolin-Tempel mit dem damals noch unbekannten Sammo Hung („Eastern Condors“). Als einleitender Sparringpartner bleibt der natürlich ohne Chance. Es folgt ein geschwollener Diskurs mit dem alten Meister, der ihm vom abtrünnigen Schüler Han (Shih Kien, „Meister aller Klassen“) berichtet. Aus dem sei ein mächtiger Verbrecher geworden, der auf seiner Privatinsel bei Hong Kong alle drei Jahre ein Kampfsportturnier ausrichtet. Der philosophisch und physisch kaum zu schlagende Lee (heißt im Film übrigens ebenso) soll daran teilnehmen und ihn besiegen. Interesse daran zeigt auch der britische Geheimdienst, der ihn mit wichtigen Informationen versorgt.

Die ertragreiche Kooperation zwischen Hollywood und Hong Kong, bei der Bruce Lee und Erfolgsproduzent Raymond Chow („Das Todesduell der Shaolin“) mit den US-Kollegen Fred Weintraub („Die große Keilerei“) und Paul Heller („Mein linker Fuß“) paktierten, lässt keine Eile walten. Regisseur Robert Clouse, der mit Bruce Lee im Anschluss auch den unvollendeten „Game of Death“ drehen sollte, zieht sämtliche Register trivialer Action-Unterhaltung. Um Lees Auftrag die nötige Würze zu verleihen, erfährt er vor der Abreise, dass seine Schwester von Hans Schergen bedrängt und in den Selbstmord getrieben wurde. Hauptverantwortlicher ist Totschläger Oharra (Bob Wall, „Die Todeskralle schlägt wieder zu“), den Lee während des Wettstreits mit einiger Genüsslichkeit in seine Bestandteile zerlegt.

Dass dramaturgisch papierdünne Bretter gebohrt werden, zeigt auch die Vorstellung der übrigen Protagonisten. Die ebenfalls am Turnier teilnehmenden Kriegskameraden Roper (John Saxon, „Asphalt-Kannibalen“) und Williams (Debütant Jim Kelly, „Freie Fahrt ins Jenseits“) werden in Rückblicken eingeführt. Das nutzt niemandem, lässt neben Lee aber zumindest weitere Sympathieträger zu. Auf Hans Inselfestung wird zunächst ein Festbankett zu Ehren der angereisten Kämpfer aufgefahren, bevor ein Rudel Freudenmädchen zur Nachtaktivität bittet. Lee nutzt die Gelegenheit, Kontakt zur eingeschleusten Spionin Mei Ling (Betty Chung) aufzunehmen. Bei einem Erkundungsgang entdeckt er denn auch gleich ein Kellergewölbe, in dem Han Opium kochen lässt.

Der Wettkampf, bei dem auch Stiernacken Bolo Yeung („Bloodsport“) mitmischt und im Off Hälse bricht, nimmt eine bestenfalls zweitrangige Rolle ein. Eine sinnige oder mehr noch spannende Geschichte sollte man nicht erwarten. Die Schauspieler agieren amüsant theatralisch und die Dialoge wirken nicht selten wie ein gezielter Schlag aufs Zwerchfell. Was also macht den Klassikerstatus dieser dezent betulichen Banalität aus? Zunächst einmal natürlich Hauptdarsteller Bruce Lee, der zwar insgesamt wenig seines außergewöhnlichen Könnens zeigt, dessen Präsenz und Charisma inklusive In-Fight-Gesichtskirmes und hohem Kampfgeschrei aber locker ausreichen, den Film zu tragen.

Zur Halbzeit mehrt sich die Körperlichkeit. Damit reckt auch endlich der für die Kampfchoreographie verantwortliche Lee die Glieder und verdreht in Hans Verbrecherhöhle u.a. dem als Stuntman eingesetzten Jackie Chan („Der Superfighter“) das Genick. Große Probleme hat Lee mit der kollektiven Gegnerschaft aber nicht, greift die der Fairness halber doch schön der Reihe nach an. Ein wenig herausfordernder gibt sich da schon Han, der noch ein finales As im Ärmel hat. Oder eher eine Metallhand unterm Handschuh, die sich wahlweise gegen eine nagelversehrte Affenklaue oder einen Messerblock austauschen lässt. Vor dem entscheidenden Duell im Spiegelkabinett leckt Lee mal wieder das eigene Blut und sorgt auf seine Weise für Gerechtigkeit. Die nicht zuletzt durch den Score Lalo Schifrins („Mission: Impossible“) transportierte Coolness überstrahlt damit einfach jeden Makel.

Wertung: (7,5 / 10)

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