El Padrino (USA 2004)

el-padrino„This is my story. This is a story about me. This is a story about some stone cold gangster shit.”

Bekannt wurde Damian Chapa durch seine Rolle in Taylor Hackfords Drama „Blood In Blood Out“. Die Jahre danach waren gesäumt von Direct-to-Video Produktionen wie „Manchmal kommen sie wieder 3“, „Hitmans Run“ oder „Bad Karma“. Daneben versuchte er sich auch hinter der Kamera. Nach „Kill You Twice” (1998) und „The Calling“ (2002) ist „El Padrino” Chapas dritte Arbeit als Regisseur. Es ist sein Projekt, sein Film – bei dem er auch als Co-Autor, Co-Produzent und Hauptdarsteller fungierte. Und doch ist „El Padrino“ nicht mehr als die bekannte und streckenweise arg banale Mär über Aufstieg und Fall eines machthungrigen Verbrechers.

Bereits durch seinen kriminellen Vater Manny (Ismael ´East´ Carlo, „Wild Wild West“) bekommt Miguel, genannt Kilo (Chapa), das Leben eines Gangsters in die Wiege gelegt. Sein Werdegang beginnt als Drogendealer, binnen weniger Jahre baut er mit einigen Geschäftspartnern – darunter die psychopathische Sebeva (Jennifer Tilly, „Seed of Chucky“) – eine florierende Organisation auf. Als ein Drogengeschäft durch das Eingreifen der Polizei jäh beendet wird, landen er und seine Partner Rudy (Emilio Rivera, „Extreme Rage“) und Loco (Sal Lopez, „Price of Glory“) im Knast. Doch verhindert der Gefängnisalltag nicht die Expansion von Kilos Machtbereich. Er knüpft Geschäftsbeziehungen zur Gang des schwarzen Hünen T-Bone (Tom ´Tiny´ Lister, „Never Die Alone“) und Kontakte zu mächtigen jamaikanischen Mobstern.

Als der rassistische Pädophile Lars (Gary Busey, „Soldier“) die Tochter des amtierenden Gouverneurs (Stacy Keach, „The Hollow“) bestialisch tötet, heuert Kilos Anwalt Paul Fisch (Robert Wagner, „Austin Powers“) seinen Klienten im Auftrag des Politikers an, um den verurteilten Mörder im Gefängnis zu töten. Im Gegenzug für den erwiesenen Dienst werden Kilo und seine Getreuen auf freien Fuß gesetzt. In der Folgezeit wird die Organisation zu einem mächtigen Kartell ausgebaut, der Handel mit Kokain über die Grenze nach Mexiko erweitert. Doch erregt die vorzeitige Beendigung des Strafvollzugs die Aufmerksamkeit der Behörden. Das rigide Eingreifen des kompromisslosen Agenten Kurt Meyers (Ralf Möller, „Hai Alarm auf Mallorca“) besiegelt den Anfang vom Ende – und den endgültigen Niedergang Kilos und seiner Gefolgschaft.

Als Regisseur verfügt Damian Chapa nicht über die Qualitäten eines Abel Ferrara oder Phil Joanou. Zwar versucht „El Padrino“ großen wie kleinen Vorbildern gerecht zu werden, doch verliert sich der Film zusehends in abgestandenen Genremechanismen. Die Figuren vermitteln kein differenziertes Bildnis skrupelloser Outlaws, sondern werden in ihrer eindimensionalen Darstellung phasenweise eher glorifiziert. Was dabei auf der Strecke bleibt, ist die Glaubwürdigkeit des Films.

Der ambitionierte Beginn zeigt sich um Vielschichtigkeit bemüht, begleitet von Kilos Erzählungen aus dem Off taucht der Zuschauer ein in die Lebensgeschichte des angehenden Kartellchefs. Mit Aufkommen der scheinbar zusammenhanglosen Subplots, dem blick in menschliche Abgründe (Busey) und das Ränkespiel politischer Machenschaften (Keach), verliert Chapa sein Ziel aus den Augen. Die Geschichte entgleitet und driftet ab in qualitative Niederungen belangloser Fernseh-Soaps. Die Dramaturgie wirkt konstruiert und vorhersehbar, die lose Struktur der Erzählung holprig.

Die Kurve bekommt „El Padrino“ nicht mehr. Der harte Gangster-Thriller läuft in konstruierter Melodramatik aus, der schwach inszenierte Niedergang des Syndikats erstickt jeden Funken angestrebter Integrität in simpel gestrickter Ballerei. Bei der daran knüpfenden Autoverfolgung gibt Ralph Moeller vom ziellosen Entleeren seines Maschinengewehrs in dicht besiedeltem Wohngebiet bis zum obligatorischen Verlust der Radkappe die volle Kanonade – und alberne Klischees und handwerkliches Unvermögen sich endgültig die Klinke in die Hand. Seine hanebüchene Klimax findet die allzu dick aufgepinselte Tragik im finalen Rachefeldzug des gefallenen Drogenbarons. Weniger aufgrund von Kilos blutigem Amoklauf, sondern weil die anrückende Spezialeinheit wie schießgeile Cowboys das Domizil des Gouverneurs zerpflückt – und dessen Frau gleich mit.

Darstellerisch waren sicher keine Höhenflüge zu erwarten, doch ist die B-Variante von „Scarface“ zumindest bis in kleinere Rollen prominent besetzt. Joanna Pacula („Virus“) findet ebenso ihren Platz in der Besetzungsliste, wie Kathleen Quinlan („Breakdown“) und Brad Dourif („Der Herr der Ringe“). Wirklich sehenswert ist allerdings einzig Gary Buseys Darbietung des psychopathischen Faschisten Lars. „El Padrino“ bietet nichts, was nicht bereits „King of New York“ oder „New Jack City“ in wesentlich besserer Form gezeigt hätten. Seinen Anteil daran hat auch die nichtssagende Handschrift Damian Chapas, die selbst hinter unstimmigen Soundkompositionen und fehlgeleiteten Bildmontagen zurücksteht.

Wertung: (4 / 10)

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