Driver (USA 1978)

driver-hillWalter Hill ist der König des schnörkellosen Actionkinos nach klassischer Bauart. Oft zitierte er Peckinpah, für dessen „Getaway“ er selbst das Drehbuch verfasste. Spürbar blieb dieser Einfluss auch in „Driver“, bei dem Hill abermals die Grenzen zwischen den bewährten Mustern von Gut und Böse verwischte. In Personalunion von Autor und Regisseur schuf er einen modernen Großstadtwestern, der ursprünglich Steve McQueen auf den Leib geschrieben ward. Der aber lehnte ab, was Sonnyboy Ryan O´Neal („Is´was Doc?“) einen seiner stärksten Auftritte bescherte.

Er ist der Driver, ein gewiefter Fluchtwagenfahrer, der Gangster für ein großzügiges Entgelt vom Ort des Verbrechens in Sicherheit bringt. Sein Erzfeind ist der Detective (Bruce Dern, „Coming Home“), ein in seinen Methoden wenig zimperlicher Ordnungswahrer, dem jedes Mittel zur Überführung des verhassten Opponenten recht erscheint. So zwangsrekrutiert er eine Bande frisch verknackter Halunken, die den Driver für einen weiteren Bruch engagieren sollen. Der aber sträubt sich. Sein Credo beruht auf dem Verzicht von Waffen. Im Besonderen gilt das für seine Kunden.

Worte werden nur wenige verloren. Quietschende Reifen und das Heulen der Motoren ersetzen die Dialoge. Vor allem in der Auftaktviertelstunde, in der die Polizei während einer üppigen Verfolgungsjagd den Kürzeren gegen den abgebrühten Meister hinter dem Lenkrad zieht. Entsprechend grob skizziert bleiben die Figuren, denen Hill nicht einmal Namen zugesteht. So auch der Spielerin (Isabelle Adjani, „Nosferatu: Phantom der Nacht“), eine Komplizin des Driver, über die der Detective zuerst an ihn heranzukommen versucht. Seine Chance scheint er zu bekommen, als die von ihm angeheuerten Lockvögel das Geschäft doch noch abschließen.

Längen erlaubt sich der Film keine. Blechschäden und geschickt verwobene Intrigen lassen die Gegenspieler verbissen um die Oberhand ringen. Fels in der Brandung bleibt O´Neal, der mimisch auf Schongang stellt und gerade dadurch die berechnende Abgeklärtheit seiner Rolle auskostet. Zudem bietet der von Philip H. Lathrop („Point Blank“, „Die Killer Elite“) brillant fotografierte Krimi-Reißer ein paar der aufregendsten Auto-Verfolgungen, die je im amerikanischen Kino über die Leinwände flimmerten. Ein zu Unrecht in Vergessenheit geratener, ein schlichtweg großartiger Actionfilm.

Wertung: (8 / 10)

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