Last Man Standing (USA 1996)

lastmanstandingSeit den 60ern ist der Name Walter Hill in Hollywood ein Begriff, doch erst ab den späten 70ern mauserte er sich zu einem der besten Action-Regisseure seiner Zeit. Dass er darüber hinaus auch für einige erfolgreiche Drehbücher verantwortlich war („Getaway“), spricht für ihn. Bekannt ist seit jeher sein Faible für Western-Stoffe, dessen Elemente er immer wieder in die Moderne transportierte. Beispielsweise in „Ausgelöscht“ oder eben in „Last Man Standing“, seiner Version des Kurosawa Stoffes „Yojimbo“.

John Smith (Bruce Willis) ist ein Streuner, stets auf der Durchreise, nie greifbar, nur den wenigsten bekannt. Seine Reise führt ihn in das staubige Jericho, wo er binnen weniger Minuten mit der Bande des hiesigen Gangsters Doyle (David Patrick Kelly) unliebsame Bekanntschaft macht. Dieser wiederum ist mit dem Ganoven Strozzi (Ned Eisenberg) verfeindet. Aus dieser Fehde zieht der launige Reisende allzu gern Vorteile für sich, indem er beide Parteien gegeneinander ausspielt. Inmitten der bleihaltigen Luft wird diese allerdings auch für ihn mit der Zeit immer dünner.

Neu ist der von Walter Hill aufgegriffene Stoff nicht, Kurosawa erzählte die Geschichte eines einsamen Samurai-Kämpfers, der zwei verfeindete Banden gegeneinander ausspielt, bereits 1961. Drei Jahre inszenierte Sergio Leone den Stoff als Italo-Western („Für eine Handvoll Dollar“) mit Clint Eastwood in der Hauptrolle. Hill orientiert sich genau an der Vorlage, kommt dem Leone-Film allerdings allein aufgrund seiner Umgebung näher, zudem ist seine Affinität zum Western hinlänglich bekannt. Die staubigen Sets wirken verlassen und bedrohlich, verstärkt werden diese Eindrücke durch dumpfe und kühle Klänge. Atmosphärisch vermag „Last Man Standing“ definitiv zu überzeugen.

Allerdings ist die Erzählung mitunter etwas zäh. Hill kann den Zuschauer sprichwörtlich nicht bei der Stange halten, denn alles was zwischen den Shoot-Outs angesiedelt ist, hat man nach dem Abspann gleich wieder vergessen. Es bleibt schlichtweg nichts haften, vielmehr reduziert sich der Film selbst auf die Action. Diese ist bleihaltig, wenngleich auch nicht übertrieben brutal. Hill präsentierte in seiner langen Karriere schon größere Einschusslöcher, was hier jedoch nicht als Makel ausgelegt werden soll. Wenn Willis seine Opportunenten meterweit über die Straße schießt, hat dies durchweg seinen Reiz.

Bruce Willis („Stirb langsam“) selbst ist wohl die Optimalbesetzung, wer sonst könnte den wortkargen Schlagetot besser verkörpern. Allerdings wirkt dessen Spiel nicht ausgereizt, gerade seiner Figur hätte man ein paar Facetten mehr abgewinnen können. An seiner Seite vermag Christopher Walken („King of New York“) wie gewohnt routiniert zu überzeugen, derlei Figuren mimt er im Schlaf. In weiteren Rollen sind Bruce Dern („Das Geisterschloss“), David Patrick Kelly („Phantom Comando“) und das ewige Opfer Patrick Kilpatrick („Alarmstufe: Rot 2″) zu sehen.

Hill konzipierte seinen Neo-Western in einer moralfremden Umgebung, bei der Gewalt stets dem Selbstzweck dient. Dies mag fragwürdig erscheinen, etwas anderes würde aber wohl in diesem Fall auch unglaubwürdig wirken. Auf stilistischer und atmosphärischer Ebene ist „Last Man Standing“ durchaus gelungen, leider hat er ansonsten nicht viel mehr zu bieten. Für Genre-Freunde durchaus interessant, aber lange nicht der beste Film aller Beteiligten.

Wertung: (6 / 10)

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