Cop Land (USA 1997)

coplandSylvester Stallone war „Rocky“ und „Rambo“, in den Neunzehnachtzigern ein Kassenmagnet, dabei jedoch nie ein geschätzter Charakterdarsteller. Sein größter Erfolg ist darum auch „Cop Land“, ein Krimi-Drama, in dem der Actionstar neben Schauspielgewichten wie Robert De Niro („GoodFellas“) und Harvey Keitel („Bad Lieutenant“) bestehen muss. Diese Bürde meistert Stallone mit Bravour. Endlich erfüllten die hängenden Wangen ihren Zweck, wobei das angefutterte Übergewicht sein übriges tat. Mancher Kritiker forderte gar den Oscar für diese Leistung. Erhört wurden die Rufe nicht. Es wäre auch zu weit gegangen. Der Respekt allein wird seine Wirkung auch nicht verfehlt haben.

Den verdient sich Stallone in der Rolle von Freddy Heflin, der immer Polizist werden wollte. Doch als er Jugendliebe Liz (Anabella Sciorra, „Das Begräbnis“) aus einem in den Fluss gestürzten Autowrack befreit, wird sein Gehör geschädigt. Die Beamtenlaufbahn ist dahin. Aber ihr Dank ist ihm sicher. Geheiratet hat sie trotzdem einen anderen („Operation: Kingdom“-Regisseur Peter Berg), einen Polizisten. Zum Sheriff brachte es Freddy dennoch. Er ist der Hüter des Kleinstädtchens Garrison bei New York, das ausschließlich von Polizisten und ihren Familien bewohnt wird. Eine denkbar leichte Aufgabe.

Die Bullen, die sich abseits des urbanen Molochs ein Paradies geschaffen haben, sind eine verschworene Gemeinschaft. Und eine kriminelle. Die Häuser, die Pools, wurden mit Mafiageldern finanziert. Der interne Ermittler Moe Tilden (De Niro) würde das nur zu gern beweisen. Doch Drahtzieher Ray Donlan (Keitel) und seine Getreuen – u.a. Robert Patrick („Terminator 2“) – wahren den Schein, wofür sie selbst über Leichen gehen. Am eigenen Leib zu spüren bekommen soll das der als Held in den Gazetten verehrte Neffe Rays, Murray Babitch (Michael Rapaport, „Metro“), der nach einer folgenschweren Schießerei den eigenen Selbstmord vortäuscht.

Der gutmütige Freddy wird nur langsam und durch seinen Kumpel Gary Figgis (Ray Liotta, „Phoenix“), der durch seine Drogensucht längst nicht mehr zum engen Kreis von Rays Bande zählt, auf die Missstände aufmerksam. Er, der belächelte Taugenichts, der im Leben fast nichts richtig gemacht hat, rafft sich schließlich als einziger zum Handeln auf. James Mangolds („Walk the Line“) Narrative kommt klassisch daher, angelehnt an Scorsese und De Palma. Selbst das übertrieben blutige Finale fügt sich durch die schnörkellose Ruppigkeit und den dumpfen Ton, der Freddys durch einen Schuss fast gänzlich beeinträchtigtes Gehör erfahrbar macht, ins Gesamtbild ein.

In der Besetzung schier verschwenderisch – als Deputy wird Janeane Garofalo („Clay Pigeons“) nur am Rande berücksichtigt – und mit beachtlicher Raffinesse aufgearbeitet, packt die zugegeben konstruierte Geschichte allein durch ihre relative Zurückhaltung. Das Milieu der dreckigen Cops wird ohne Eile skizziert, die eigentliche Hauptfigur Freddy in der Einleitung erst einmal beiseite geschoben. Zum Referenzwerk reicht es damit nicht, ist aber auch nicht nötig, weil Mangold und der Traumcast mit solcher Souveränität durch ihre Parts schweben, dass dieser edle Retro-Thriller bereits durch die Präsenz der Schwergewichte vor und hinter der Kamera getragen wird. Und das schließt buchstäblich auch Sylvester Stallone mit ein.

Wertung: (7,5 / 10)

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