Die Legende der weißen Schlange (HK/CN 2011)

die-legende-der-weissen-schlangeWas waren das für herrliche Zeiten, als im Hong Kong-Kino noch alles handgemacht war? In den Achtzigern entwickelte sich die ehemalige Kronkolonie zum Tummelplatz extravaganter Effektkünstler. Vorläufer war Tsui Hark, der für seinen visionären Bilderrausch „Zu – Warriors From the Magic Mountain“ (1983) Fachkräfte aus Hollywood engagierte und bis dahin nie erlebte Welten auf die Leinwand brachte. Heute wirken die Tricks von einst veraltet, naiv und nicht selten sogar albern. Aber in ihnen steckt Liebe zum Detail und nicht zuletzt handwerkliche Fantasie, die meist in krassem Gegensatz zu den artifiziellen Computerbildern der Moderne stehen.

So lässt sich über schlichte mechanische Tricks noch immer herzhaft schmunzeln. Miese CGI-Effekte machen hingegen nur selten Spaß. Vor allem dann nicht, wenn sie einen Film so sehr prägen wie bei „Die Legende der weißen Schlange“. Da sehnt man sich die Ära der charmanten handgemachten Spezialeffekte geradewegs zurück. Denn was Kult-Regisseur Ching Siu-Tung („A Chinese Ghost Story“) – hier als Tony Ching – mit der märchenhaften Eastern-Romanze auftischt, ist beizeiten kaum zumutbares Computerbildgeflirre. Das ist umso bedauerlicher, da die Geschichte eigentlich ausreichend klassischen Asia-Kitsch und realitätsbefreite Action bietet, um Genrefreunde versöhnlich zu stimmen.

Superstar Jet Li („Once Upon a Time in China“) spielt den weisen Abt Fahai, der mit seinem unbedarften Schüler Neng Ren (Wen Zhang, „Mr. and Mrs. Incredible“) durch die Lande reist, um Dämonen unschädlich zu machen. Dabei begegnet er der Weißen Schlange Susu (Huang Shengyi, „Kung Fu Hustle“), die sich in den mittellosen Kräutersammler Xu Xian (Raymond Lam, „Perfect Wedding“) verliebt hat, als sie ihm beim Sturz von einem Felsen das Leben rettete. Begleitet von ihrer Schwester, der Grünen Schlange Qingqing (Charlene Choi, „The Twins Effect“), stattet Susu dem Liebsten in Menschengestalt einen Besuch ab. Fahai, für den alle Dämonen böse sind, stellt sich ihrer Liebe in den Weg.

Die Konsequenzen sind so bemüht herzerweichend wie tragisch gefärbt. Der auf einer alten chinesischen Sage basierende Film steht in der Tradition von HK-Klassikern wie „Bride with White Hair“, erreicht aber trotz Ching Siu-Tungs routiniertem Blick für erhabene Bilder und große Gefühle nie deren Qualität. Vor allem nicht bei den Actionszenen, die zu sehr unter dem Eindruck der unbefriedigenden CGI-Effekte stehen. Die Schauspieler hingegen überzeugen und verleihen dem kitschigen Epos, gewohntermaßen überschattet von kindlichem Humor, emotional Ausdruck. Aber wirklich empfehlenswert bleibt „Die Legende der weißen Schlange“ nicht. Da lohnt eher der Griff zu den deutlich besseren Vorbildern.

Wertung: (5 / 10)

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