Upside Down (CDN/F 2012)

upside-downSeit frühester Jugend ist Adam (Jim Sturgess, „Heartless“) unsterblich in Eden (Kirsten Dunst, „Melancholia“) verliebt. Die zwei Schmachtenden scheinen füreinander geschaffen zu sein. Nur gibt es da ein kleines Problem: die Gravitation! Denn die beiden leben in verschiedenen, direkt beieinander liegenden Universen. Das eine oben, das andere unten. Streckt man sein Haupt gen Himmel, so erblickt man dort, wo eigentlich das Firmament sein sollte, eine sich auf dem Kopf befindliche Welt. Und da jedes der Universen über eigene physikalische Eigenschaften verfügt, die für jeden Weltenwanderer buchstäblich alles auf den Kopf stellt, ist eine gemeinsame Zukunft der Turteltauben ausgeschlossen.

Dass der Kontakt zwischen den Bewohnern beider Welten von jeweiligen Bewachungsinstitutionen streng geregelt wird, macht es Adam auch nicht einfacher, in den Armen seiner Liebsten zu landen. Trotzdem gelingt es ihm, die Raumzeitkrümmung zu überlisten, und dabei die festgesetzte Ordnung zu umzugehen, um sich in Edens Universum normal bewegen zu können. Doch stoßen seine Bemühungen auf beiden Seiten auf wenig Gegenliebe. Aber wer könnte der Anziehungskraft zweier Liebender schon im Wege stehen, wenn dies nicht einmal die kosmische Schwerkraft vermag?

Was die Protagonisten in Christopher Nolans Mindfuck-Sensation „Inception“ nur im Traum erleben konnten, nämlich die Krümmung kompletter Straßenzüge, ist für die Menschen in „Upside Down“ alltägliche Realität. Im Prolog wird die Beschaffenheit dieses Phänomens kurz dargestellt. Für den Fortgang der Geschichte werden derlei Erläuterungen jedoch nicht mehr benötigt. Denn Juan Solanas Werk ist primär eine klassische, von Tragik überschattete Liebesgeschichte, die mit einer gehörigen Portion Science-Fiction aufgeppept wurde. Dass diese Zutaten gekonnt miteinander harmonieren können, hat unlängst etwa „Der Plan“ mit Matt Damon beweisen können.

„Upside Down“ allerdings schafft es nicht, in dieser Liga mitzuspielen. An der wirklich grandiosen Effektarbeit liegt es nicht. Ob die sich gegenüberstehen Welten in Großpanorama gezeigt werden oder als Bürofläche, in dem Parteien beider Welten proverbial Kopf an Kopf arbeiten, satt sehen kann man sich an dieser eigentlich adynatorischen Welt kaum. Das Problem des Films ist denn auch streng genommen der Motor der Geschichte, nämlich die (unmögliche) Liebesbeziehung Adams und Edens. Auch wirkt die Idee, die „obere“ Welt als eine des Wohlstands und die „untere“ als Akronym darzustellen, bei allem sozialkritischen Potenzial zu unausgeprägt dargelegt.

Insgesamt bleiben die Charaktere zu blass, als dass man mit ihnen in ihrem (fast) aussichtlosen Kampf gegen menschliche wie kosmische Gesetze mitfühlen möchte. Zumal nicht allzu viel passiert: Sie lernen sich zufällig kennen und lieben, werden gewaltsam getrennt und Eden verliert gar zwischenzeitlich die Erinnerung an Adam. Selbstverständlich finden sie dann doch noch einen Weg, gemeinsam alt werden zu können. Oder, um es poetischer auszudrücken, darf Adam zurück ins Paradies, in seinen ganz persönlichen Garten Eden. Der Schluss mag dabei die Möglichkeit einer Weiterführung zulassen, eine Fortsetzung dieses wenig aufregenden Fantasy-Dramas braucht es allerdings nicht.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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