Die Kinder der Seidenstraße (USA/CN/AUS/D 2008)

die-kinder-der-seidenstrasseEin Held ist, wer entgegen den Widrigkeiten seiner Zeit zur Selbstlosigkeit neigt. Die Historie ist voll von aufopferungswilligen Gutmenschen, die uns zeigen, dass das Leben gerade in der Rettung anderer Erfüllung bringen kann. Wahrscheinlich liebt das Kino gerade deshalb solche Geschichten. Nur leider sind sie selten ausdifferenziert und neigen neben verklärendem Pathos zum Kitsch. Besonders in Hollywood. Davor ist auch nicht „Die Kinder der Seidenstraße“ gefeit, mit dem „Bond“-Regisseur Roger Spottiswoode („Der MORGEN stirbt nie“) das Wirken des britischen Journalisten George Hogg aufarbeitet.

Den, gespielt von „The Tudors“-Star Jonathan Rhys Meyers, verschlägt es Ende der Neunzehndreißiger, während des zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges, ins Krisengebiet. Dort wird er Zeuge des Massakers von Nanjing. Nachdem er die Gräuel fotografisch dokumentieren konnte, wird er von den Japanern gefangen genommen und zum Tode verurteilt. In letzter Sekunde rettet ihm Widerstandskämpfer Chen Hansheng, genannt Jack (Chow Yun-Fat, „Tiger and Dragon“) das Leben und macht ihn in einem Lazarett mit der Krankenschwester Lee Pearson (Radha Mitchell, „Silent Hill“) bekannt.

Im weiteren Verlauf stellt sich Hogg zur Verbesserung seiner Sprachkenntnisse als Lehrer zur Verfügung und reist in ein entlegenes Waisenhaus, wo er nach anfänglichen Schwierigkeiten tatsächlich zu den traumatisierten Kindern vordringen kann. Als die japanische Armee gefährlich nahe rückt und die Chinesen seine Schützlinge zum Militärdienst einziehen wollen, beschließt er sie in einem verzweifelten Gewaltmarsch über die Berge in Sicherheit zu bringen. Mit Lee und Jack wagt er das Unmögliche und nimmt die beschwerliche Reise über 700 Kilometer durch unbefestigtes Gebiet auf sich.

Sicher, „Die Kinder der Seidenstraße“ beleuchtet ein fast vergessenes historisches Kapitel und überzeugt durch aufwändige Ausstattung und namhafte Schauspieler (darunter auch Chow Yun-Fats „Tiger and Dragon”-Partnerin Michelle Yeoh). Doch Spottiswoode, der sich in seiner Karriere viel zu oft unter Wert verkaufte, begnügt sich auch diesmal mit erzählerischen Konventionen und einer halbwahren emotionsgeladenen Inszenierung. Was als Kriegs-Drama beginnt, entwickelt sich erst zur Charakterstudie des Briten in der Fremde und driftet schließlich in eine abenteuerliche Odyssee, an deren Ende Zeitzeugen noch warme Worte über dem früh verstorbenen Retter Hogg ausschütten dürfen. Wirklich glaubhaft ist der oft ziellos wirkende Film damit nicht. Aber von Werken dieser Art ist man ja streng genommen auch nichts anderes gewohnt.

Wertung: (5 / 10)

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