Die Duellisten (GB 1977)

die-duellisten„The duellist demands satisfaction. Honour, for him, is an appetite.”

Das Kreuz des Ehrenmannes ist die Forderung der Genugtuung im Falle einer Kränkung. Der ehemalige Werbefilmer Ridley Scott („Blade Runner“) beutet die hehre Selbstjustiz in seinem Erstlingswerk „Die Duellisten“ gnadenlos aus. Die Filmfassung eines Romans von Joseph Conrad überspitzt die Bereinigung des persönlichen Konflikts mit Waffengewalt, in dem sie zwei Streithähne über viele Jahre um ihr Recht disputieren lässt. Der Absurdität dieser Szenerie ist geschuldet, dass die starrköpfigen Ehrenmänner bald den Grund für ihr anhaltendes Hauen und Stechen vergessen haben.

Im Schatten der napoleonischen Kriege sind es die Offiziere Fereau (Harvey Keitel, „Hexenkessel“) und D´Hubert (Keith Carradine, „Long Riders“), die ohne rationale Begründung in den Kampf gegen die Ehrenrührigkeit des anderen ziehen. Fereau ist der aufbrausende Provokateur, der das Duell als spielerische Herausforderung betrachtet. Es braucht nur eine Lappalie, um seinen Zorn zu wecken und vermeintlicher Beleidigung den Zweikampf folgen zu lassen. D´Hubert, dem der Gegner zunehmend unheimlich wird, geht auf die Forderungen ein. Schließlich geht es auch um seine Ehre.

Bereits in seinem Debütfilm beweist Ridley Scott das untrügliche Gespür für Bilder ästhetischer Anmut. Er hetzt die Opponenten von Duell zu Duell, gleichzeitig durch Szenarien gemäldeartiger Schönheit. Die dauernde Neuansetzung des Zweikampfes ist etwaigen Verletzungen geschuldet, die das Fortführen des Zwistes für den Augenblick unmöglich machen. Ob mit Degen oder Muskete, zu Pferd oder per pedes, an Abwechslung mangelt es den nimmermüden Kämpfern nicht. Selbst während des Russlandfeldzuges macht das Duo keine Pause. Ebenso wenig Scott, der den schneebedeckten Weiten mit ihren tiefgefrorenen Leichen atemberaubende Standbilder abringt.

Nach Russland sind Fereau und D`Hubert in den Rang von Generälen aufgestiegen. Zweitgenannter vermählt sich und lässt die Erinnerungen des Krieges hinter sich. Aber ein Mann kann schwer in Frieden leben, wenn es seinem Erzfeind nicht beliebt. Als wäre das Leben ohne Wert, zieht es die beiden weiter in den Kampf. Aussicht auf ein Ende für den einen liegt im Tod des anderen. Sich in das Los des Fanatikers Fereau zu fügen ist für D´Hubert ausgeschlossen. Er findet die Lösung im Symbolismus. Am Ende, nachdem er den Gegner zum zweiten Mal schont, erklärt der werdende Familienvater sie beide für tot. Zumindest für einander. Der Irrsinn der Gewalt, durch das Diktat der Vernunft ausgehebelt. Ein bemerkenswertes Debüt.

Wertung: (8 / 10)

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