Die City Cobra (USA 1986)

die-city-cobra„This is where the law stops and I start – sucker!”

Der Überfall auf einen Supermarkt wird jäh unterbrochen. „You’re the disease, and I’m the cure” raunt der schwarz gekleidete Sylvester Stallone dem sichtlich erschrockenen Marco Rodriguez („Ausgelöscht“) entgegen, bevor er ihn kaltblütig auslöscht. Willkommen in der finstren Welt des übellaunigen Bad Cop-Abziehbilds Mario ‘Cobra’ Cobretti. Nicht nur der Name des unverwüstlichen Helden in George P. Cosmatos („Rambo 2“) zynisch brutalem Action-Thriller „Die City Cobra“ ist maßlos auf klischeetriefende Coolness getrimmt, sondern auch dessen Auftreten.

Mit reflektierender, übergroßer Sonnenbrille, knielangem Mantel und Zündholz im Mundwinkel geht Stallone als Mischung aus „Dirty Harry“ und dem „Punisher“ seinem dreckigen Tagewerk nach. Menschlicher Abfall wird dabei nach bewährter Haudrauf-Manier entsorgt. Nach ähnlich rüder Methodik versucht eine reaktionäre Untergrundbewegung Darwins Theorie vom Überleben des Stärkeren zu belegen. Mitten hinein in die daraus resultierende Welle wahlloser Tötungsdelikte gerät Cobretti, als er die Zeugin Ingrid (Brigitte Nielsen, „Red Sonja“) vor der militanten Gruppierung schützen soll.

Die Rolle des Mario Cobretti ist Sylvester Stallone wie auf den Leib geschrieben – passenderweise von sich selbst. Denn Sly arbeitete Paula Goslings Roman „Fair Game“ – mit William Baldwin und Cindy Crawford 1995 neuerlich verfilmt – zu einem brachialen Actionfilm um und sparte nicht an wortkargem Nihilismus. Gemäß dem Leitspruch „I don’t deal with psychos – I put ’em away” pflegt „City Cobra” Cobretti einen rüden Umgangston mit seinen Opponenten. Dass sich diese simple Moralvorstellung am Rande reaktionärer Wehrertüchtigung bewegt, macht den Streifen auch heute noch zum kontroversen Vergnügen.

Die Nähe zu „Dirty Harry” äußert sich auch in der Besetzung, treten mit Reni Santoni („Die Killerbrigade“) und Andrew Robinson („Hellraiser“) doch auch zwei Darsteller des klassischen Vorläufers im fernen Anverwandten in Erscheinung. Daneben spielt Brian Thompson („The Order“) einmal mehr seine physischen Vorteile in der Rolle des psychopathischen Killers aus, während „2 Tage L.A.“-Regisseur John Herzfeld in einer Nebenrolle zu erhaschen ist. Weitere bekannte Gesichter gehören Art LaFleur („Mit stählerner Faust“) und „Sledge Hammer“ David Rasche.

„Die City Cobra“ ist ein altbackener Action-Thriller auf düsterem Grund. Im Rahmen der kurzen Laufzeit bedient Regisseur Cosmatos emsig Klischees, verliert über die Stilisierung seines unkonventionellen Heldentypus aber die Atmosphärenbildung aus den Augen. Denn der Superbulle hat zwar ein Superauto, doch fehlen ihm abseits schablonierter Wesenzüge charakterliche Bezugspunkte. So schaut man Stallone beim ausdruckslosen Umnieten seiner Gegnerschar zu und bekommt ein kurzes wie heftiges Finale geboten. Die Monotonie des hölzernen Spektakels reflektiert treffend die vorangehende Ballerei: Die Cobra schießt und ein Bad Guy purzelt von seinem Motorrad. Nervenkitzel sieht anders aus.

Wertung: (5 / 10)

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