Devilman (J 2004)

devilmanDie Grenze zwischen Gelingen und Scheitern einer Comicverfilmung liegt bei Realfilmadaptionen japanischer Mangas oder Animes weitaus enger beieinander, als es bei ihren amerikanischen Schicksalsgenossen der Fall wäre. Denn die komplexe Handlungsstruktur, der schwer zu transkribierende Surrealismus und die oftmals extreme Darstellung von Sex und Gewalt gestalten die Umsetzung asiatischer Zeichentrickkunst heikel, bisweilen schier unmöglich. Christophe Gans „Crying Freeman“ verfügte zumindest über die Atmosphäre des Originals und übernahm einige Schlüsselszenen selbst in der Montage werkgetreu, während sowohl Tony Randels „Fist of the North Star“, als auch Steve Wangs „Guyver: Dark Hero“ eher unrühmliche Versuche markierten, dem Flair der animierten Vorbilder gerecht zu werden.

Basierend auf der bereits seit den 70er-Jahren populären Trick-Serie von Tomoharu Katsumata, bzw. deren Comicvorlage von Go Nagai ist „Devilman“ der jüngste Versuch eines solchen Manga-Abklatsches – und eine ebensolche Enttäuschung wie die meisten seiner Vorläufer. Denn der lose Elemente der beiden Trickfilme von Tsutomu Lida („Devilman: Birth“ (1987), „Devilman: Demon Bird Silene“ (1990)) verknüpfende Fantasy-Horror lässt eine nachvollziehbare Handlung und allen voran ausdrucksstarke Darsteller vollends vermissen und präsentiert im mageren Gegenzug eine handvoll blutiger Actionsequenzen und schwache Computereffekte.

Als bei Bohrungen in der Antarktis Dämonen freigesetzt werden und sich in menschlichen Körpern einnisten, ist eine der infizierten Personen die schüchterne und von seinen Mitschülern gehänselte Vollwaise Akira (Hisato Izaki). Doch bewahrt sich der Teenager seine Menschlichkeit und sagt als Devilman in der Folge all jenen Dämonen den Kampf an, die die Erde vernichten wollen. Gefahr droht aber auch aus den eigenen Reihen, gipfelt die rigide Ausmerzung der neuen Spezies durch internationale Regierungen doch in einen globalen Konflikt, der im Stande scheint, alles Leben zu vernichten. Als Akira seinen besten Freund Ryo (Yusuke Izaki) als seinen größten Widersacher entlarvt, kommt es zum entscheidenden Duell der Dämonen.

Japans Antwort auf jugendliche Helden á la „Spider-Man“ funktioniert einfach nicht. Dies liegt vor allem an der zerfahrenen Geschichte, zu einem gewichtigen Teil aber auch an den blassen Darstellern. Die Zwillingsbrüder Hisato und Yusuke Izake, beide Mitglieder der erfolgreichen japanischen Boy-Band Flame, geben mit „Devilman“ ihren ausdruckslosen Einstand als Filmschauspieler. Vor allem Hisato gelingt es zu keiner Zeit, der innerlich zerrissenen Figur des Devilman die erforderliche Tiefe zu verleihen. Erst wird dessen Alltag als Einzelgänger schier endlos ausgereizt, dann verliert sich sein Schattendasein in einem kaum nachvollziehbaren Nebenplot um seine Halbschwester Miki (Ayana Sakai, „Battle Royale 2“). Auch die im Original bedeutsame Figur der Silene (gespielt von Model Ai Tominaga) wird am Rande der konfusen Geschichte förmlich aufgerieben.

Was allegorischen Zündstoff auf die Zerstörungswut des Menschen besessen hätte, wird hier zum unausgereiften Fantasy-Actioner mit unbefriedigenden Computeranimationen heruntergebrochen. Die unsägliche Mär um Monster und Dämonen löst den epochalen Rahmen der faszinierenden Vorlage durch schwache Akteure, noch schwächere Effekte und eine hilflose Inszenierung förmlich auf. Dabei ist „Devilman“ das Vermächtnis des am 27. Februar 2005 verstorbenen Regisseurs Hiroyuki Nasu, der zwischen 1985 und 1988 die populäre „Bee Bop Highschool“-Reihe drehte. Man hätte dem etablierten Filmemacher einen würdigeren Abgang gewünscht.

Wertung: (3 / 10)

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