Derailed – Terror im Zug (USA 2002)

derailed-terror-im-zugJean-Claude Van Damme ist gewissermassen die „Edelhure” der zweitklassigen Actionstars. Denn immerhin erbarmt sich von Zeit zu Zeit noch ein Studio, dem Hau-Drauf-Hallodri eine Rolle in einer Kinoproduktion zuzugestehen. Doch auch die mitleidige Tour vermochte in jüngerer Vergangenheit die Herzen eingefleischter Fans nicht zu erweichen, so dass Van Dammes bislang letzter Leinwandausflug, die halbgare „Universal Soldier”-Fortsetzung, bereits auf das Jahr 1999 zurückgeht. Aber seien wir ehrlich, wirklich schade ist es nicht um das Scheitern Van Dammes, der sein filmisches Dasein mittlerweile durch trashige B-Movie-Videopremieren definieren und bestätigen muss.

So erscheint es seit geraumer Zeit doch ratsam, auf der Suche nach Van Dammes neuesten Streichen in der Videothek seines Vertrauens gleich zwischen der neuen Dolph Lundgren- und Michael Dudikoff-Ausgeburt anzusetzen. Vor allem, weil sich mittlerweile auch unter Hongkongs Regie-Elite herumgesprochen haben dürfte, dass ein mit Van Damme besetztes Projekt reines Karrieregift darstellt. Tsui Hark und Ringo Lam mussten in diesem Zusammenhang gleich doppelt Lehrgeld zahlen; offenbar genügte ein Film mit Karrierebremse Van Damme nicht zur Einsicht. Aber was schert es uns, soll der drollige Trash-Titan doch einen beschissenen Film an den nächsten reihen, Hauptsache wir haben was zu lachen!

Für eine Fülle verschmitzter Grinser ist auch der neueste Van Damme-Ulk „Derailed – Terror im Zug” gut. In Bob Misiorowskis („Shark Attack”) krudem Mix aus Action, Thriller und Katastrophenfilm verkörpert Van Damme den Nato-Spezialagenten Jacques Kristoff, der eigentlich nur seinen Geburtstag im Kreise der Familie im besinnlichen Wien feiern wollte. Doch dann wird er zu einem dringenden Einsatz abkommandiert, bei dem es darum geht, die Diebin Galina Constantin (Laura Harring, „Mulholland Drive”) von der Slowakei nach München zu eskortieren. Klingt simpel, birgt allerdings einige Gefahren.

Jene kriminelle Informantin hat nämlich nicht nur brisante Informationen über eine destruktive Terrororganisation an die Nato zu veräußern, sondern obendrein noch einen bakteriellen Kampfstoff aus einem Geheimlabor entwendet. So verhilft Jacques der lasziven Galina zur Flucht, doch auch im eiligst bestiegenen Nachtzug Richtung Bavaria ist das Duo nicht sicher. Oben erwähnte terroristische Organisation bringt nämlich eben diesen Zug in ihre Gewalt und tritt damit die schon tausendfach gesehene und nur dezent ausgereizte „Stirb langsam”-Thematik mit Füßen. Dabei umfasst Misiorowskis freudespendender Dilletantismus unter anderem Dramaturgie von der Stange, eine viel zu hektisch geratene Schnitttechnik und gravierende inhaltliche Fehler.

So drängen sich dem Betrachter immer wieder Fragen auf, beispielsweise woher Jacques Familie weiß, in welchem Zug der ach so geheim agierende Agent unterwegs ist oder warum es in besagtem Schienenfahrzeug neben Platz wie auf einem Fussballfeld auch noch ein Belüftungssystem gibt, das geradezu zum hindurchkriechen einlädt?  Über zähe 90 Minuten hält der Schwachsinn Einzug, die Terroristen stehen stetig zum munteren Abtreten parat und die Effekte treiben selbst ungeübten Augen Schamesröte ins Gesicht. Jean-Claude Van Damme sollte vielleicht darüber nachdenken, seine schauspielerischen Fähigkeiten auf Spagate zu beschränken, da kann er wenigstens kein Unheil anrichten.

Wertung: (2 / 10)

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