Kickboxer – Die Abrechnung (USA 2018)

Jean-Claude Van Damme wird alt. Das ist der Lauf der Dinge. Auch für Männer, die seit drei Jahrzehnten das Segment des (B-)Actionfilms prägen. Für den agilen Belgier bedeutet das allerdings, dass er mittlerweile die Rolle des Lehrmeisters ausfüllen kann. Damit sich in seiner Karriere der Kreis schließt, übernahm er im Remake seines (Quasi-)Klassikers „Kickboxer“ (im teutonischen VHS-Zeitalter „Karate Tiger 3“ betitelt) von 1989 genau diesen Part und unterrichtete den jungen Kurt Sloane (Alain Moussi, „Kill Order“), damit dieser den im Ring getöteten Bruder rächen konnte. In der überflüssigen, immerhin aber professionell gestalteten Fortsetzung wird Kurt von den Folgen seiner Vendetta heimgesucht.

Zum kryptischen Auftakt mixt „Slaughterhouse Rock“-Regisseur Dimitri Logothetis, Produzent des Vorgängers, Tanz und Martial-Arts in/auf einem fahrenden Zug. Was wirkt, wie der Prolog eines „James Bond“-Abenteuers, entpuppt sich als Traumsequenz. Welchen Zweck die verfolgt? Sie hilft, das Sequel auf 110 Minuten zu überdehnen. Gemessen am luftigen Nichts der Handlung ist das wahrlich eine Leistung. Das dramaturgische Korsett erweist sich – im B-Segment ist das die Regel – als denkbar dünn; entsprechend „soapig“ erscheinen die meisten Wendungen und Zuspitzungen. Nur kommt den Machern jedes Gespür für Straffung abhanden. Als handelsüblicher Neunzigminüter hätte der Film zumindest nicht das Sitzfleisch traktiert.

Für Kurt hat der Tod von Erzfeind Tong Po ein schmerzhaftes Nachspiel. Denn er wird nach Thailand verschleppt, wo er für den zwielichtigen Kampf-Promoter Thomas Moore (geliftet und grimassierend: „Highlander“ Christopher Lambert) gegen den brockigen Koloss Mongkut („Game of Thrones“-Bergmassiv Hafþór Júlíus Björnsson) in den Ring steigen soll. Um Kurt gefügig zu halten, wird auch Freundin Liu (Sara Malakul Lane, „Beyond the Gates“) unter Verschluss gehalten. Bei der Vorbereitung auf das Duell mit Mongkut hilft nicht allein der mittlerweile erblindete Martial-Arts-Meister Durand (auf Zatoichis Spuren: der auch produzierende Van Damme), sondern auch Box-Legende Mike Tyson. Damit nicht genug, darf auch Ex-Fußballstar Ronaldinho seinen Beitrag leisten und mit Bällen auf Kurt schießen.

In üppigen Trainingsmontagen wird Kurts Körper gestählt, gepeitscht, geschunden. Die dosierten Actionsequenzen werden meist mit Zeitlupen versehen, sind aber nicht so spektakulär choreographiert, als dass die Konkurrenz aus Fernost darüber ins Schwitzen kommen müsste. Gut geklaut ist aber auch hier besser als schlecht erfunden: Kampfpassagen ohne Schnitt erinnern an die Werke Tony Jaas. Hilfreich mutet dabei an, dass die Gegnerschaft hübsch der Reihe nach gegen Kurt vorgeht. Vor dem großen Finale in einer Tempelanlage werden noch Extrarunden gedreht, bei denen Liu erst befreit wird und dann ins Koma fällt. Nur ist im Finale bestenfalls der vermeintlich unbesiegbare Gegner groß. Der schreit wüst in die Gegend und ist so klobig, dass die Dynamik des Aufeinandertreffens vom Cutter herbeigezaubert werden muss. Das geht nicht nur besser, sondern allen voran kompakter. Auf einen weiteren Teil kann daher getrost verzichtet werden.

Wertung: (4 / 10)

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