Pound of Flesh (CAN 2015)

pound-of-flesh„It’s mine. I want it back.“ – Pocht auf sein Besitzrecht: Deacon

Ein Pfund Fleisch, damit hat die schauspielerische Qualität des alternden Jean-Claude Van Damme („Expendables 2“) einen durchaus treffenden Vergleich gefunden. Der gilt sicher nicht für jede Darbietung des nimmermüden Belgiers, dessen ausgefranster Starruhm schließlich nicht von ungefähr rührt; doch findet sich in seiner Vita so mancher Streifen, der wirkt wie die Aufforderung eines Agentenwechsels. Der mäßig aufregende und von ihm auch produzierte Thriller „Pound of Flesh“, so viel sollte der Fairness halber vorweggenommen werden, gehört nicht dazu. Denn trotz zunehmend tiefer Gesichtsfurchen ist Van Damme immer noch ausreichend gut in Form – und macht diesmal sogar mimisch eine passable Figur.

In der philippinischen Hauptstadt Manila erwacht Ex-Regierungsagent Deacon (Van Damme) in einer Badewanne voller Eiswasser. Der geneigte Filmfreund weiß natürlich sofort, dass als Ursache nur Organraub in Frage kommen kann. Das Delikate an der Geschichte: Die ihm geraubte Niere war als Spenderorgan für seine todkranke Nichte gedacht. Gab es im B-Film je eine bessere Begründung, dem für eine solche Ruchlosigkeit verantwortlichen Gewürm mit gebotener Vehemenz die Eingeweide zu verknoten? Das heißt, so böse sind sie auch wieder nicht, schließlich haben sie Medikamente, Patientenanweisung und faire Bezahlung hinterlassen. Der möglichen Unterstützung durch die örtliche Polizei ist damit ein perfider Riegel vorgeschoben.

Mit dem lokalem Vertrauten Kung (Aki Leong, „The Quest“) sowie seinem entfremdeten und wenig kampfeswilligen Bruder George (gab in der kurzlebigen „Flash Gordon“-Neuauflage den Imperator Ming: John Ralston) begibt sich Deacon auf die Suche nach den Schuldigen. Das Ausgangsszenario mag auf den ersten Blick idiotisch anmuten. Aber natürlich ist der unfreiwillige Spender kein zufälliges Opfer. Die Spur führt zu einem Rüstungsunternehmer, so dass ein Mangel an armiertem Fußvolk kein Problem darstellt. Da Deacon keine Waffe hat, folgt der Griff zur Hotelbibel. Die leistet treue Dienste, als er gleich bei der ersten Station ein paar Typen vermöbeln muss. Das alttestamentarische Auge um Auge-Prinzip wird dabei wörtlich genommen. Solch ansprechende (und ansprechend ruppige) Ideen hat der Film kaum zu bieten. Solide bei der Stange hält die leidlich originelle Variation des „Taken“-Themas dennoch.

Zusätzliche Unterstützung leistet die Prostituierte Ana (Charlotte Peters). Sie diente den Organräubern, in deren Reihen der kurz nach dem Dreh verstorbene Darren Shahlavi („Ip Man 2“) den Schlagetot gibt, als Köder. Dass sie ausgerechnet aussieht wie Georges verstorbene Frau, mit der Deacon… Ach lassen wir das. Der Plot ist wenig ersprießlich und von Regisseur Ernie Barbarash („Assassination Games“) zudem recht tempoarm abgespult. Ein sich redlich mühender und beizeiten sichtlich gedoubelter Hauptdarsteller muss einfach genügen. Sonderlich gut ist „Pound of Flesh“ nicht geraten, aber zumindest versucht Van Damme einmal mehr, nicht allein B-Rabatz von der Stange abzuliefern. Bei den dosierten Actionszenen erfolgt Unterstützung aus dem Computer, die Anflüge von Tiefsinn und Tragik wirken mehr bemüht denn überzeugend. Sicher kein großer Wurf, von Van  Damme gab es in der Vergangenheit aber schon deutlich ärgere Auftritte vor die Augen.

Wertung: (5 / 10)

scroll to top