Kickboxer – Die Vergeltung (USA 2016)

Als schauspielernder Schlagetot war Jean-Claude Van Damme in Hollywood ab den mittleren 80er Jahren ein gefragter Mann. Zwar konnte er den Karriereknick, wie so viele andere, nicht verhindern, doch ist er zumindest noch immer solide im Geschäft. Vor allem abseits günstiger B-Movies weiß Van Damme zu überzeugen. Dort beweist der kantige Belgier, das sich hinter seinem legendären Spagat ein bisweilen selbstironischer Zeitgenosse befindet. Die Amazon-Serie „Jean-Claude Van Johnson“ hat das auf erfrischende Art und Weise gezeigt. Dergleichen hätte dem Remake seines Frühwerks „Kickboxer“ ebenfalls gut getan. Denn der Film ist vor allem eines: eine herbe Enttäuschung.

Verglichen mit heutigen Kampfsportfilmen kann dem Original eine gewisse Behäbigkeit nicht abgesprochen werden. Doch der Streifen hatte Charme und für damalige Verhältnisse auch gute Kampfszenen. Die Neuauflage kann zwar mit dem alten Helden, respektive Van Damme, als Trainer punkten, allerdings stimmt das ganze Drumherum einfach nicht. Der neue Held Kurt Sloane (Alain Moussi, „Kill Order”) wirkt zu brav und hat keinerlei Ausstrahlung. Man nimmt ihm den knochenharten Kämpfer schlichtweg nicht ab. Auch Wrestling-Legende Dave Bautista („Guardians of the Galaxy”) als neuer Tong Po überzeugt kaum. Zwar wirkt er aufgrund seiner Statur überlegender, als Muay-Thai-Kämpfer bleibt er jedoch behäbig und unglaubwürdig.

Das „Kickboxer“ nicht funktioniert, liegt aber vor allem an der abstrusen Erzählweise. Man folgt zwar grundsätzlich dem Original, so dass Tong Po Kurts Bruder Eric (der unlängst verstorbene Darren Shahlavi, „Pound of Flesh”) im Ring tötet und den Jüngeren auf Rache sinnen lässt, springt jedoch gerade anfangs in den Zeiten und lässt einen roten Faden vermissen. Notwendig ist das bei solchen Filmen zwar nicht, vieles – bspw. die Liaison von Kurt und Polizistin Liu (Sara Malakul Lane, „Jurassic City”) – ergibt hier aber schlichtweg keinen Sinn. Die zahlreichen und zügig beginnenden Trainingseinheiten werden durch ein paar weitere – größtenteils unspektakuläre – Keilereien und überflüssige Nebenschauplätze begleitet. Das vereinnahmt mehr Zeit, als es dem Film gut täte.

Eine gute Figur macht allenfalls Van Damme, dem man seinen zurückgezogenen Kickbox-Lehrmeister Durand mit strahlend weißem Hemd und Sonnenbrille im thailändischen Dschungel jedoch auch nur mit einigem Wohlwollen abnimmt. Der Cameo-Auftritt seines alten „Kickboxer”-Kontrahenten Michel Qissi dürfte den alten Fans gefallen, fällt aber kaum qualitätssteigernd ins Gewicht. Zweifelsfrei wäre hier mehr möglich gewesen. Scott Adkins zeigt nicht nur mit der „Undisputed“-Reihe, wie harte Kampfsportfilme heutzutage aussehen müssen. Verglichen damit ist John Stockwells („Armed Response”) Remake der kleine Bruder, der seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Und das fängt leider schon mit der völlig vergeigten Besetzung von Held und Bösewicht an. Yuri Boyka wäre das nicht passiert.

Wertung: (3 / 10)

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