Defeater – Abandoned (2015, Epitaph Records)

defeater-abandonedKrieg ist die Hölle. Für Wehrdienstverweigerer und Pazifisten mag diese Floskel als Fürsprache des eigenen Wertekatalogs dienen. Doch was wirklich in den Männern und Frauen vorgeht, die im Dienst für Freiheit, territoriale Expansionsbestrebungen oder wirtschaftliche Interessen ihr Leben riskieren, bleibt schlicht unvorstellbar. Für DEFEATER war das nie ein Hindernis. Ihre Platten erzählen von zerrütteten Existenzen an der amerikanischen Ostküste während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Protagonisten wechseln, die Verzweiflung bleibt bestehen.

In „Abandoned“, dem über Epitaph herausgebrachten vierten Langspieler der Bostoner, geht es um den Abfall von Religion und Glaube. Im Mittelpunkt steht ein katholischer Geistlicher, der an den Kriegserlebnissen zerbricht. Das Amt behält er nach der Rückkehr in die Heimat bei, nur wird er zum verbitterten Zweifler – und Sünder. Dabei zieht sich die Textzeile „Forgive me my Father, for I am a sinner“ wie ein Mantra durch die 11 Kapitel. Doch die Erlösung bleibt aus, ebenso der Beweis der Existenz einer göttlichen Allmacht. Leicht verdaulich wird damit auch diese Veröffentlichung der gefeierten Combo nicht. Einmal mehr großartig ist sie trotzdem geworden.

Die Entwicklung ihres Sounds ist auch diesmal im Detail erkennbar. Der Post-Hardcore bleibt zwar wuchtig, wie vor allem das erste Drittel der Platte zeigt, in der Tiefe offenbaren DEFEATER aber zunehmend zarte Tendenzen. Die Melodien wirken ausgefeilter, vielschichtiger und eindringlicher. Darüber liegt das Geschrei Derek Archambaults, der seine Stimme auch diesmal nicht bei akustischen Einschüben schont. Dafür setzt es bei „Borrowed & Blue“ einen überraschenden (und überraschend rockigen) Klargesangs-Refrain. Für die enervierenden Live-Darbietungen des Fünfers bieten sich zudem ausreichend Mitgrölparts, etwa bei „Unanswered“, „December, 1943“ oder „Remorse“. Nicht allein für Kriegsgegner klares Pflichtprogramm!

Wertung: (8,5 / 10)

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