Touché Amoré – Stage Four (2016, Epitaph Records)

touche-amore-stage-fourDer Verlust eines geliebten Menschen wiegt schwer. Damit umzugehen, ihn mehr noch begreifen und verarbeiten zu können, ist eine Herausforderung, der sich kreative Köpfe gern über die Kunst stellen. Im Falle von TOUCHÉ AMORÉ-Frontmann Jeremy Bolm ist es, man ahnt es, die Musik. „Stage Four“, der vierte Langspieler der Kalifornier, behandelt den Tod von Bolms Mutter. Die starb mit 69 Jahren an Krebs. Daher der Titel. Die Krankheit im Endstadium, das Ende unvermeidlich. Was bleibt ist die Trauer, die Leere. In die dringt nun der Post-Hardcore, der mit Inbrunst und Leidenschaft  aufrichtige Einblicke ins Seelenleben des Songschreibers erlaubt und seinen Schmerz erfahrbar macht.

Das mutet mitunter so schwer an, wie es klingt, bedeutet aber mitnichten, die Platte würde allein als Stimmungsdrücker fungieren. Denn musikalisch fahren TOUCHÈ AMORÈ vielfältige Klangfarben auf und geben sich über weite Strecken deutlich geradliniger als gewohnt. Als referenzielles Beispiel mag der Auftakt „Flowers and You“ dienen. Oder die mitunter schwelgerischen, wahlweise ins punkige oder rockige driftenden „New Halloween“, „Rapture“, „Palm Dreams“, „Displacement“ oder „Benediction“. Ganz zu schweigen vom zarten Schlusspunkt „Skyscapers“, bei dem die vokale Zurückhaltung von weiblicher Stimme unterstützt wird.

Durchgängig laut und ohne Rücksicht auf entspannende Refrains, wie beim wuchtigen Eineinhalbminüter „Eight Seconds“, geht es nur selten zu. Das prägende Moment bleiben Bolms Lyrics, die sämtliche Fragen, Zweifel und Selbstvorwürfe mit bemerkenswerter Offenheit darlegen. Das berührt, nicht allein Menschen, die selbst Freunde und/oder Angehörige auf dieselbe Weise verloren haben wie er seine Mutter. „Stage Four“ ist ein bemerkenswertes Album, das TOUCHÈ AMORÈ and der Schnittstelle von LA DISPUTE, FUCKED UP und den späten CRIME IN STEREO von ihrer wandlungsfähigsten Seite zeigt. Dass der geteilte Schmerz das Leid der Hinterbliebenen tatsächlich mindern kann, bleibt am Ende als hoffnungsvoller Gedanke. Auch er macht das Gesamtwerk zu etwas ganz Besonderem.

Wertung: (8,5 / 10)

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