Death Wish – Ein Mann sieht rot (USA 1974)

death-wish-ein-mann-sieht-rotAls Regisseur Michael Winner („Chatos Land“) den knallharten Selbstjustiz-Thriller „Death Wish – Ein Mann sieht rot“ auf Zelluloid bannte, traf er mit der Verfilmung des kontroversen Romans von Brian Garfield den Puls der Zeit. Amerikas Bevölkerung wurde von explodierender Kriminalität aufgeschreckt und mehrte die befürwortenden Stimmen einer rigiden staatlichen Exekutive. In eben diese Kerbe schlägt Winners Film. Von Kritikern damals fast einhellig als Verherrlichung von Selbstjustiz verworfen, mauserte sich der zwiespältige Streifen nicht nur zum unerwarteten Kassenschlager, sondern inspirierte über Jahre hinweg auch eine endlose Fülle meist undifferenzierter und platter Nachzügler.

Auf der Erfolgswelle folgten beispielsweise „Lipstick – Eine Frau sieht rot“ (1976) oder „Hardcore – Ein Vater sieht rot“ (1978). Einen nicht unwesentlichen Anteil an der endlosen Fortführung zur Vergeltung blasender Polizisten, Väter, Mütter, Richter etc. dürften auch die bis 1994 entstandenen vier Fortsetzungen der zunehmend kruden Thriller-Reihe haben. Dabei enthält die Geschichte des New Yorker Architekten Paul Kersey (Charles Bronson, „Das Gesetz bin ich“), dessen Frau bei einem Überfall dreier Krimineller – darunter der spätere Hollywoodstar Jeff Goldblum („Die Fliege“) – getötet und die Tochter vergewaltigt wird, durchaus sozialkritischen Zündstoff. Denn die Hilflosigkeit der überlasteten Polizei lässt Kersey selbst zur Waffe greifen und das Gesetz in die eigene Hand nehmen.

Die straffe Inszenierung und Bronsons mimisch abgespeckte Performance bürgen für eine stimmige Atmosphäre, wenn sich der Film auch tatsächlich nicht von einer gewissen Toleranz vor den Taten seiner Hauptfigur frei sprechen kann. Zumindest aber deutet Michael Winner, der auch die ersten beiden Fortsetzungen drehte, die perfide Doppelbödigkeit der fragwürdigen Eigeninitiative seines Antihelden an. In erster Linie jedoch bleibt der Feldzug des unerbittlichen Racheengels einer in Angst lebenden Stadt versiert inszeniertes Unterhaltungskino der deftigen Art. Kerseys Gefühlsleben wird weitgehend ausgeklammert und sich eher seiner Motivation gewidmet.

Die zum Teil harschen Gewalteinlagen und die überwiegend schwarzen Opfer des Vigilanten reflektieren den fragwürdigen Standard der frühen siebziger Jahre, selbst wenn „Death Wish“, wie auch beinahe alle Sequels, nur in gekürzter Form in Deutschland veröffentlicht wurde. Als Repräsentant einer überforderten Obrigkeit steht dem gewohnt wortkargen Bronson der polizeiliche Ermittler Vincent Gardenia („Der kleine Horrorladen“) gegenüber. Daraus allerdings resultiert kein Psychoduell, sondern eine Art reißerische Bestandsaufnahme urbaner Problemfelder. Und auch wenn Wendell Mayes („Der Untergang der Poseidon“) Drehbuch streckenweise zur Billigung des Geschehens einlädt, gilt der Film nicht unverdient als Klassiker.

Wertung: (7 / 10)

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