Chopper (AUS 2000)

chopperDie Geschichte von Mark Brandon „Chopper“ Read klingt fast so übertrieben, dass man sie im Grunde nicht glauben mag. In seiner Heimat Australien gehört er zu den bekanntesten Verbrechern und laut eigener Aussage hat er bereits etliche Menschen auf dem Gewissen. Verurteilt wurde er bisher aber  lediglich für einen Mord. Doch der gute „Chopper“ sitzt mitnichten im Knast, sondern läuft frei herum und schreibt ein Erfolgsbuch nach dem anderen. Der Film über den Vorzeige-Kriminellen, der nur den Wunsch hegt, der berüchtigste Kriminelle Australiens zu werden, avancierte in Down Under zum erfolgreichsten Film aller Zeiten mit Erwachsenen-Freigabe und konnte diverse Filmpreise einheimsen.

„Chopper“ erzählt in einigen wenigen Abschnitten vom Leben des Mark Brandon Read, verfolgt wird aber kein zusammenhängender Erzählstil oder eine „richtige“ Handlung, vielmehr werden einige Stationen des chronischen Unsympathen aufgezeigt. Zu Beginn befindet sich Chopper (Eric Bana) im Gefängnis, wo er nicht auf allzu viele Freunde zählen kann und der Zuschauer eigentlich auch nicht erfährt, warum genau er einsitzt. Durch sein recht destruktives wie provozierendes Verhalten eckt Chopper überall an, vor allem ein inhaftierter Gewerkschaftler ist ihm ohne erkennbaren Grund ein Dorn im Auge.

Wie es sich für ihn gehört, wird das „Übel“ einfach kurz über den Haufen gestochen. Größere Probleme entstehen mit der Leitung des Gefängnisses nicht, doch fortan darf er mit noch weniger Rückhalt als ohnehin schon rechnen. Selbst seine einzigen beiden Bezugspersonen, die unter seinem Schutz stehen und für die er sich irgendwie verantwortlich fühlt, stellen sich gegen ihn. Doch der Mordversuch von Jimmy (Simon Lyndon) schlägt fehl, denn selbst etliche Messerstiche können Chopper nicht umhauen. Eine Art zweites Kapitel zeigt ihn dann in Freiheit, mit einigen Pfund mehr auf den Rippen pöbelt und schlägt er sich durch seine Umwelt und wird zum Albtraum einer ganzen Gesellschaft, vor dem selbst die ganz Großen Zittern.

Als eine Art Portrait eines Wahnsinnigen kann man den Film von Andrew Dominik verstehen, der mit Werken wie „Ressurection Man“ oder „Henry: Portrait of a Serial Killer“ zu vergleichen ist. Erzählt wir keine zusammenhängende Geschichte, sondern einige Lebensabschnitte des Mark Brandon „Chopper“ Read werden relativ kurz, aber intensiv erzählt. In diesen zeigt sich „Chopper“, grandios und beängstigend gespielt vom zukünftigen „Hulk“ Eric Bana, als wahnsinniger wie aggressiver Mensch, der von der einen auf die andere Sekunde explodieren kann. Dabei wirkt Chopper meist relativ besonnen, fast behäbig würde man meinen. Doch sobald man ihn provoziert bzw. er seinen gegenüber anmacht, schaltet sich irgendwann der Hebel um und er schlägt, sticht und schießt um sich. Das Problem an ihm ist, dass man nicht weiß, was als nächstes kommt. Selbst als er seine angebliche Freundin ordentlich verdrischt, gibt er ihr noch die Schuld. In einer anderen Szene schießt er jemandem in den Bauch, fährt ihn aber kurze Zeit später selbst ins Krankenhaus. Eine Rechtfertigung oder Erklärung für die Taten wird nicht gegeben.

Chopper vermeidet es, große Reden zu schwingen bzw. sein Handeln zu erklären. Vielmehr ist es einfach die Darstellung einer psychopathischen Person, der man weder trauen kann, noch in seiner näheren Umgebung haben möchte. Die Identifikation mit dem „Helden“ fällt dementsprechend schwer, da es wirklich keinen positiven Aspekt gibt, den dieser Mann vermittelt, obwohl sicherlich einige, die den Film sehen, die prollige Art auch wieder amüsant wie cool finden. Als Glorifizierung kann man die Darstellung aber dennoch nicht abtun, denn dafür zeigt Regisseur Andrew Dominik doch deutlich genug, wie fertig dieser Mann ist. Die Gewalt wird dabei brutal und durchaus realistisch gezeigt. Allerdings ist diese teilweise nichts für schwache Nerven, denn bisweilen fließt reichlich Blut und auch wenn Chopper sich in einer Szene selbst seine beiden Ohren abschneidet, um in ein anders Gefängnis verlegt zu werden, könnte dem ein oder andern unter Umständen anders werden. Eric Bana gelingt es, den kranken Charakter so glaubwürdig zu verkörpern, dass man meint, er wäre es selbst. Angefangen von der kühlen Mimik bis hin zu einigen Wutausbrüchen hat man immer den Eindruck, dass Bana voll und ganz in dieser Rolle aufgeht.

Die anderen Darsteller agieren nicht wesentlich schlechter, allerdings bleibt keiner groß im Gedächtnis, um sich danach ein großes Bild von dieser Figur machen zu können. Zu sehr ist einzig und allein alles auf die übermächtig erscheinende Figur des Mark Brandon Read abgestimmt. Der Stil von Andrew Dominik passt sich diesem völlig übertriebenen Handeln der Hauptperson an und in schnellen Schnitten, einigen rasanten Kameraschwenks und blassen Farben lässt er seine Figur durch die Gegend streifen, immer auf der Suche danach, seiner Umwelt weitere Gründe für sein Bestreben zu liefern, der gefürchtetste Kriminelle der Welt zu werden. Ein recht derber Independent-Film, der beileibe nichts für Leute mit schwachen Nerven ist, der aber dank eines großartigen Hauptdarstellers und einer klasse Regie für Freunde kleiner und dreckiger Filme auf jeden Fall mehr als empfehlenswert ist.

Wertung: (7 / 10)

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