Death Wish (USA 2018)

„People rely on the police to keep them safe. That’s the problem. […] If a man really wants to protect what’s his, he has to do it for himself.“ – Ben

Selbstjustiz ist simpel: Wo die Staatsgewalt versagt, wird das Gesetz in die eigenen Hände genommen. Die Filmhistorie ist voll von Geschichten dieser Art. Die wenigsten davon bemühen sich um differenzierte Töne. Meist geht es um plakativen Nervenkitzel. Die Konsequenzen, mehr noch die gravierenden Gefahren für den Rechtsstaat, interessieren kaum. Wo wird die Grenze gezogen? Genügt ein abfälliges Wort, ein böser Blick, um sich nach eigenem Ermessen zum Richter, Geschworenen und – keineswegs selten – Henker aufzuspielen?

In seinem 1972 veröffentlichten Roman „Death Wish“ (deutscher Titel: „Der Vigilant“) lotet Brian Garfield dieses Spannungsfeld mit bitterer Klarheit aus. Die populäre erste, vom Autor heftig kritisierte Verfilmung seines Werkes, im Deutschen „Ein Mann sieht rot“ betitelt, entstand 1974. Sie gilt trotz Klassikerstatus als Blaupause der reißerischen Ausschlachtung des kontroversen Themas. Es folgten vier Fortsetzungen, unzählige Nachahmer – und eine Neuverfilmung. In dieser schlüpft der in den vergangenen Jahren ins B-Metier abgerutschte Alt-Star Bruce Willis („Stirb langsam“) in die einst von Charles Bronson ikonisch ausgefüllte Rolle des Rächers Paul Kersey.

In den Siebzigern war er Architekt, im neuen Jahrtausend ist er Chirurg. „Hostel“-Regisseur Eli Roth nimmt diesen Unterschied zum Anlass, um gleich in der Auftaktsequenz zu zeigen, wie ungerecht die Auswüchse der modernen Gesellschaft sind: Ein angeschossener Polizist stirbt auf dem OP-Tisch, der verletzte Schütze wird von Kersey versorgt. Noch ist für ihn jedes Leben wert, gerettet zu werden. Das ändert sich, als seine Frau Lucy (Elizabeth Shue, „House at the End of the Street“) und Tochter Jordan (Camila Morrone, „Never Goin‘ Back“) im eigenen Heim überfallen werden. Die Gattin wird dabei erschossen, die Teenagerin ins Koma geprügelt.

„Someone took my wife. Everybody involved is going to pay.“ – Paul

Die Verbitterung des liberalen Arztes schlägt durch die revisionistische Perspektive von Schwiegervater Ben (Len Cariou, „Spotlight“) und die relative Handlungsunfähigkeit des leitenden Ermittlers Raines (Dean Norris, „Breaking Bad“) in Mordlust um. Nachdem er ein paar Autodiebe ausgelöscht hat, findet Paul, beflügelt durch die virale Verbreitung eines Zeugenvideos, Gefallen an der öffentlichen Stilisierung zum „Grim Reaper“. Der größte Haken an der Sache ist nicht einmal, dass sich der stoisch durch den Film schlafwandelnde Willis offenkundig in der Rolle des DIY-Vigilanten gefällt.

Vielmehr liefert das Skript, an dem insgesamt neun Autoren beteiligt waren, von denen aber einzig Joe Carnahan („The Grey“) genannt wird, fortwährend Gründe, sich ob der moralischen Fahrlässigkeit verwundert das Haupthaar zu raufen. Da wäre beispielsweise die Waffenbeschaffung, die erst auf legale Wege setzt, wenn es gilt, das Töten ins eigene Heim zu verlagern – und damit juristisch zu legitimieren. Die im Detail auf plakative Grausamkeit setzende Inszenierung, selbstredend serviert mit markigen Einzeilern, macht es nicht besser. Da nutzen auch alibihaft eingespielte Radio-Diskussionen und Memes wenig. Und wenn sich der im Umgang mit Feuerwaffen unbedarfte Paul im Internet aufschlaut, läuft dazu (naturgemäß) fetzige Rockmusik von AC/DC.

Hinzu kommt, dass der – anders als bei Garfield – konstruiert in Richtung der Verantwortlichen des brutalen Überfalls (u. a. Beau Knapp, „Run All Night“) weisende Rachefeldzug über weite Strecken wie ein Werbevideo der US-Waffenlobby wirkt. Wäre „Death Wish“ nicht so bierernst aufgezogen, man könnte sich glatt in einer Parodie wähnen (bemerkenswerter Tiefpunkt: Norris’ Pizzaszene). Das Potential des namhaften Casts, der auch Vincent D’Onofrio („Jurassic World“) als Kerseys Bruder einschließt, bleibt sträflich unausgeschöpft. Wer nach Bauart des klassisch exploitativen Bahnhofskinos unterhalten werden will, liegt bei „Death Wish“ keineswegs falsch. Nur ändert das nichts daran, dass Roth einen unbeholfenen, unnötig brutalen und schlichtweg dämlichen Film geschaffen hat.

Wertung: (3 / 10)

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