Death Wish 4 – Das Weiße im Auge (USA 1987)

death-wish-4Nachdem Charles Bronson in „Death Wish 3“ auch die Slums von New York mit harter Hand und schwerer Artillerie ausgemistet hatte, ging er im folgenden Abwasch wieder in der Wahlheimat Los Angeles auf Menschenjagd. Die Familienangehörigen waren mittlerweile allesamt getilgt, also muss als Startschuss die Tochter der neuen Freundin (Kay Lenz, „Gefangene des Universums“) dran glauben. Schuld waren schlechter Umgang und eine Überdosis Drogen, was die Mutter grämt und den erprobten Vigilanten auf die Palme bringt. Also lässt er sich von Geschäftsmann White (John P. Ryan, „Delta Force 2“) mit Informationen und Equipment versorgen und mischt das organisierte Verbrechen auf.

Schauspieler Bronson, seinerzeit stramm auf die 70 zumarschierend, und Regisseur J. Lee Thompson („Ein Köder für die Bestie“) waren ein eingespieltes Team. Der eine wütete vor, der andere hinter der Kamera. Allein in den Achtzigern drehten die beiden gemeinsam sieben Filme, darunter „Der Liquidator“ (1984) und „Kinjite – Tödliches Tabu“ (1989). Teil vier der berüchtigten „Death Wish“-Reihe unterscheidet sich kaum vom Gros ihrer Kooperationen und reiht nach bewährtem Muster rüde Schießorgien und ausgelutschte Selbstjustizglorifizierung aneinander. Entgegen des deutschen Subtitels findet sich das Weiß dabei aber nicht im Auge, sondern einzig in den Haaren des alternden Hauptdarstellers.

Der tut wie ihm geheißen und legt in zügiger Taktung Mafiaschergen um, was die Handlung im Mittelteil komplett zum Erliegen bringt. Um seine Aktionen vorzubereiten, hat er stets einen Fuß in jeder Tür, sei es bei privaten Mafiapartys oder in der Drogenküche. Der Blick wird zwar zunehmend schaler, mit der Knarre in der Hand ist die radikale Ein-Mann-Armee aber noch immer unschlagbar. Wie eine gut geölte Maschine überrollt Bronson die Verbrecher und walzt wortkarg alles platt, was zwielichtig dreinschaut oder explodieren könnte. Das ist von teils unfreiwillig komischer Einfalt, hat außer einem Überhang an Klischees aber nichts Nennenswertes zu bieten.

Zum vorgegaukelten Plot gehört auch ein Ermittlerduo, wovon die eine Hälfte (Soon-Tek Oh, „Missing in Action 2“) selbstredend auf der Gehaltsliste der Mafia steht. Dieser wie gleichsam der finale Kniff kündigen ihr Kommen schon reichlich früh an, was neben der verschlagenen Visage des korrupten Bullen an John P. Ryans nicht eben Vertrauen steigernden selbstklebendem Schnurbart liegt. Als die Syndikate in ruppiger B-Action zerschlagen sind, geht es noch dem hintersinnigen Drahtzieher ans Leder. Weil der sich aber an Bronsons neuer Liebe vergreift, ist der Rächer am Ende wieder allein zu Haus. Reißerisch und ziemlich hohl – ein Spät-Exploiter der Marke Cannon mit viel Gewalt, aber ohne jeden Funken Verstand.

Wertung: (3 / 10)

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