Death Wish 3 – Der Rächer von New York (USA 1985)

death-wish-3Die Essenz der „Death Wish“-Filme ist das Motiv des einsamen Rächers, das Charles Bronson bereits im Western geprägt hatte. Unter Regisseur Michael Winner („Scorpio, der Killer“) tauschte er die Prärie gegen die Großstadt und den Stetson gegen die Wollmütze ein. Daneben blieb (fast) alles beim alten. Ruchloses Gesindel, Gewalt und Gegengewalt. Im dritten Einsatz als rot sehender Vigilant Paul Kersey wird die Figur zur Selbstparodie. Der letzte Funken Realismus wird der endgültigen Übervorteilung arg übertriebener Action geopfert, die das plump brutale B-Picture aus der Cannon-Schmiede zumindest für Puristen und Schund-Connaisseure zum prachtvollen Erlebnis macht.

Nach Teil zwei war die Verwandtschaft des urbanen Widerständlers ausgelöscht. Also mussten neue Opfer her, die sich in den Bewohnern einer New Yorker Mietskaserne finden. Dort will Kersey einen Freund besuchen, findet diesen aber von einer die Gegend terrorisierenden Straßengang ermordet vor. Und weil sich solches Verhalten nicht tolerieren lässt, zieht der bewährte Freizeitkiller in die Wohnung des Getöteten ein und macht sich mit der gewohnten Kaltblütigkeit an die Säuberung des ganzen Viertels. Zur besseren Erkennung trägt die verdorbene Jugend Kriegsbemalung. Da macht das Umlegen doch gleich doppelt Spaß!

Mit der Wimper wird hier nicht gezuckt, höchstens mit dem Finger am Abzug. Der sichtlich in die Jahre gekommene Hauptdarsteller stellt um auf Tötungsmodus, bastelt Fallen für den Hausgebrauch und radiert erst einmal zwei Lumpen aus, die sich an seinem Auto zu schaffen machen. Auf dem Postweg lässt er sich mit Waffen versorgen, was selbstredend auch einen Raketenwerfer mit einschließt, und holt zur Vendetta aus, die Bandenführer Fraker (Gavan O´Herlihy, „Willow“) natürlich gar nicht munden will. Also bläst er zur Offensive, doch gegen den ungeniert mordenden Kersey ist einfach kein Kraut gewachsen.

Mit einigen Mietern, wie Bronson selbst fortschreitenden Alters, geht die neuerlich erzreaktionäre Huldigung der mittlerweile formelhaften Selbstjustizklischees vonstatten. Unter seinen Mitstreitern findet sich auch Charakterdarsteller Martin Balsam („Catch 22“), der als Hilfsmittel der kruden Schlussoffensive ein Maschinengewehr als Kriegsandenken entstaubt. Wozu also Generationenkonflikt und Methusalem-Komplott durchdiskutieren, die Alten eignen sich doch prima für den städtischen Ausnahmezustand. Als Film ist „Death Wish 3“ eine Katastrophe, als modriger Unterhaltungskäse hingegen eine echte Perle. Die Entscheidung der Wertigkeit darf jeder für sich selbst treffen.

Wertung: (4 / 10)

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