Dead Air (USA 2009)

dead-airLogan (Horror-All-Star Bill Moseley, „The Devil’s Rejects“) verdankt seiner kauzigen Stimme alles. Als Leading Man der erfolgreichsten Radio Late Night Show Amerikas hat er es zu Ruhm und Ehre gebracht. Selbst wenn er seine Zuhörer auch mal als Spinner beschimpft. Eines Abends ist das Thema seiner kontroversen Sendung „Paranoia“. Just zur selben Zeit verüben böse, böse islamische Terroristen am Stadion um die Ecke einen Nervengiftanschlag, der alle Menschen in reißende Bestien à la „28 Crazies Later“ verwandelt. Was dann folgt, kann sich eigentlich jeder denken.

Man berichtet weiter, einer aus der Crew wird natürlich infiziert, die Hölle bricht los und man schreit „Fuck!“ in die Gegend. In ruhigen Momenten lässt man es sich nicht nehmen, den Holzhammer beim Stichwort „Terror“ raushängen zu lassen, damit es auch der moderne xenophobe Amerikaner von heute richtig versteht. Dem einen oder anderen dürfte einiges sicher bekannt vorkommen. Ein ähnlicher „Radio Zombie“ schmückte nämlich erst kürzlich die Regale unserer heimischen Videotheken. Doch war in „Pontypool“ zumindest der Ausbruch der Epidemie ein Novum auf dem Gebiet des Zombiefilms – das Virus verbreitete sich über die englische Sprache – verlässt man sich beim später entstandenen „Dead Air“ auf die guten alten biologischen Waffen.

Corbin Bernsen, den meisten als Dr. Finestone aus „The Dentist“ ein Begriff, macht zu Beginn seiner dritten Regiearbeit genug richtig, um den Zuschauer nicht zu vergraulen. Während des Ausbruchs bekommt man nur telefonische Berichte von Augenzeugen zu hören und vereinzelte Bilder von Nachrichtensendern zu sehen. Gerade dieser aufgezwungenen Minimalistik ist es zu verdanken, dass im ersten Drittel tatsächlich Spannung erzeugt wird. Was aber mit dem Verlassen des Gebäudes durch eines der Teammitglieder und dem Eintreffen der Terroristen leider ein Ende findet. Mit demselben Problem hatte bereits „Pontypool“ zu kämpfen, bei dem man am Schluss ebenso die Frage stellen durfte, wie der Film von einem solch grandiosen Anfang in derartige Belanglosigkeit abrutschen konnte.

„Dead Air“ hat aber noch ein weiteres Problem, weil neben dem Drama auf der Verbalebene versucht wird, Action mit einzubringen. Doch gerade diese Szenen sind budgetbedingt die schwächsten des Films. Dicht gefolgt von dem Part, in dem sich der schein-toughe Moderator und der Terrorführer gegenüberstehen. Das Virus, das er auf die (amerikanische) Welt loslässt, wurde natürlich in den USA entwickelt. Es ist keineswegs ehrenhaft, was der muslimische Bösewicht da tut, aber er wird ja vom Ami dazu gezwungen. Langsam wissen wir es. Ob nun dieser oder „Pontypool“ den besseren „Radio Zombie“ stellt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Gegen die Radiostationsszenen aus John Carpenters „The Fog“ verlieren aber sicherlich beide an Boden.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

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