Dan – Mitten im Leben! (USA 2007)

danmittenimlebenAm besten ist Steve Carell immer dann, wenn er in seinen Filmen in klapprigen Karossen deutscher Herstellung fährt. Das war bei „Little Miss Sunshine“ so, in dem die neurosengeplagte Sippschaft im Anschub-bedürftigen VW-Bus über die Highways rollte – und auch bei „Dan – Mitten im Leben!“ steht der alte Mercedes Kombi stellvertretend für den seelisch Verbeulten, den mental Angekratzten, kurzum, den Depressiven. Jener Dan, von Carell herrlich tranig und entgegen seiner oft infantilen Rollenprofile angelegt, ist erfolgreicher Kolumnist, weniger erfolgreicher Buchautor und verwitweter Vater dreier heranwachsender Töchter. Raum für Probleme gibt es da reichlich.

Aber natürlich erhellt ein Lichtstreif den Horizont, als er in einem Buchladen Marie (Juliette Binoche, „Chocolat“) kennen lernt und sich, während er ihr bei einem Kaffee seine Lebensgeschichte unterbreitet, Hals über Kopf in sie verliebt. Peter Hedges´ („Pieces of April“) nur nebenbei tragikomische Romanze aber ist nicht nur Liebes-, sondern auch Familienfilm. Also wird der Plot durch eine Zusammenkunft der gesamten Verwandtschaft im Haus von Dans Eltern gestützt, wo Sticheleien noch mit Herzlichkeit verteilt werden und gemeinschaftliche Unternehmungen sowie innige Umarmungen zum gewohnten Tagesablauf zählen.

Das Wiedererwachen der Lebensgeister hat für Dan einen entscheidenden Makel, denn Marie entpuppt sich als Geliebte seines Bruders Mitch (Dane Cook, „Mr. Brooks“). Also wird die gegenseitige Anziehung ignoriert, was für sie, die ob ihrer Herzlichkeit unverzüglich in den Schoß der Familie aufgenommen wird, anfangs leichter scheint. Er hingegen lässt überzogenen Gesten und spöttischen Kommentaren freien Lauf, was die sich sorgenden Verwandten zum Anlass von Strafspülen und Kuppelversuchen nehmen. Irgendwann aber hat die amouröse Charade ein Ende und mündet in das, was man von Hollywoodfilmen erwartet – ein zuckersüßes, ein butterweiches Finale.

Hedges drängt das melancholische Moment des ruhigen Gefühlsreigens bald in den Hintergrund. Dan ist kein Alter Ego Woody Allens, für ihn gibt es noch Hoffnung. Daraus entwickelt sich ein charmantes Feelgood Movie, das sich auf der Zielgeraden aber zu sehr auf bewährte Kitschformeln verlässt. Die vielköpfige Sippe verkommt dabei zu einer Ansammlung von Stichwortgebern, was sich bei der unterforderten Dianne Wiest („Bullets Over Broadway“) am ehesten bemerkbar macht, schließlich wird ihre Mutterrolle mit sehr gewollt wirkender Schrulligkeit überschüttet. Biss hat das keinen, bleibt aber nett und sympathisch genug, um einen vergnüglichen Abend zu garantieren.

Wertung: (7 / 10)

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