Cold Prey – Eiskalter Tod (N 2006)

cold-preyUnberührte Weiten und schneebedeckte Hänge so weit das Auge reicht. Das Idyll des Postkartenpanoramas lädt ein. Angeblich verbringt jeder vierte Norweger seinen Urlaub in den Bergen. Einige von ihnen verschwinden spurlos. Langfilmdebütant Roar Uthaug gibt in „Cold Prey – Eiskalter Tod“ Gründe vor, warum es gesünder ist die Ferien zu Hause zu verbringen.

Fünf Freunde fahren zum Snowboarden in eine abgelegene Bergregion. Sie feixen, sie necken, sie haben eine prächtige Zeit. Bis der folgenschwere Sturz von Morten (Rolf Kristian Larsen) einen offenen Beinbruch nach sich zieht. Die Mobiltelefone bleiben ohne Empfang. Das Glück im Unglück ist die sich unweit abzeichnende Silhouette eines Gebäudes, das sich bei näherer Betrachtung als einsames Hotel entpuppt. Sie finden Verpflegung, Alkohol und bringen sogar den Generator zum Laufen. Doch so verlassen, wie es den Anschein hat, ist das verzweigte Haus nicht. Und dessen Bewohner zeigt sich über die ungebetenen Besucher wenig erfreut.

Der Slasherfilm bleibt ohne neue Ideen, daran ändert auch Uthaugs Genrebeitrag nichts. Dennoch ist der Streifen sehenswert, weil sich die Macher den Regeln des Sujets beugen, ohne gleichsam all seine Klischees zu bedienen. Das beginnt schon mit den sympathischen Figuren, die eben nicht den Blaupausen milchgesichtiger Teeniehackfressen nachempfunden sind, sondern durchaus nachvollziehbare Normalos stellen. Um ins Visier des Killers zu geraten, genügt bereits die bloße Anwesenheit, so dass Drogenkonsum und Dauergeilheit ihre verdiente Auszeit verordnet bekommen.

Nach schemenhaften Bewegungen im Dunkeln ist die sich dem Sex mit Eventuell-Freund Mikal (Endre Martin Midtstigen) entziehende Ingunn (Viktoria Winge) das erste Opfer. Bis dahin hat der Plot bereits die Halbzeit vor Augen, was in Anbetracht der sorgfältig ausgearbeiteten Atmosphäre nicht weiter stört. Der Film braucht seine Zeit, bevor er die Vorzeichen zur (blutigen) Realität werden lässt. Auch danach ist das Tempo eher gediegen. Der bodenständige, im Vergleich mit standardisierten US-Produktionen beinahe unspektakuläre Horror-Thriller, setzt auf die Macht der Suggestion. Das überzeugende Spiel der Darsteller macht den Schrecken greifbar.

Während sich die Zahl ihrer Freunde allmählich lichtet, sucht Jannicke (Ingrid Bolsø Berdal, „Codename Hunter“) verzweifelt nach einem Ausweg. Eine der stärksten Szenen findet sich in der Entdeckung einer Kammer für Fundsachen, die jedoch kaum aus der Zeit vor der Schließung des Hotels stammen können. Während der Zuschauer längst ahnt, wie es um die Hintergründe bestellt ist, müssen die Protagonisten auf denkbar schmerzhafte Weise hinter die Fassade ihres Peinigers blicken. „Cold Prey“ bietet wahrlich nichts Neues und gerät doch zum spannenden, wenn auch nicht nervenzerrenden, Horrorerlebnis. Eine angenehm zurückhaltende Abwechslung.

Wertung: (7 / 10)

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