Bunraku (USA 2010)

bunraku„Revenge is an act of style.“ – Die Stimme aus dem Off

Die Theatralik des Actionfilms: In „Bunraku“ inszeniert Regisseur und Co-Autor Guy Moshe („Holly“) die klassische Geschichte einer Stadt im Würgegriff der Despotie – und den dazu gehörigen Rächern, die sich der brutalen Übermacht entgegenstellen. So weit, so bekannt. Ungewöhnlich ist jedoch der Ansatz der visuellen Gestaltung, die irgendwo zwischen Theaterbühne und Pop-Up-Buch angesiedelt ist. In diesem eigenwilligen Kosmos verschmelzen Motive aus Western und Eastern so farbenfroh wie artifiziell. Nur fehlt es diesem ausstatterischen Potpourri verschiedener Epochen und Stile an inhaltlicher Substanz.

Nach verheerenden Kriegen und dem anschließenden Wiederaufbau haben die Überlebenden alle Feuerwaffen vernichtet. Über die Zeit hat das Schwert die Kugel abgelöst. Aber die Natur des Menschen lässt sich nicht verleugnen. Also geht das Töten unvermindert weiter. Holzfäller Nicola („Hellboy“ Ron Perlman als kauziger Gandalf-Ersatz) ist machtvoller Herrscher über Stadt und Land. Wer seine Macht brechen will, muss ihn nach festen Regeln herausfordern. Doch die ausgesandte Killerbrigade um die gefürchtete No. 2 (Kevin McKidd, „Rome“) sorgt für Konstanz der bestehenden Herrschaftsverhältnisse. Zumindest, bis zwei Fremde mit dem Zug in die Stadt kommen.

Der eine ist der berühmte namenlose Fremde (Josh Hartnett, „Lucky Number Slevin“), der andere ein japanischer Schwertkämpfer namens Yoshi (Popstar Gackt, „Moon Child“). Ihre Motive sind verschieden, ihr Anliegen ist es nicht. Beide wollen sich Nicola stellen. Zusammengeführt werden sie von einem kauzigen Barkeeper (Woody Harrelson, „No Country for Old Men“), der sie in den Kampf gegen den Unterdrücker begleitet. Optisch ist das rauschhaft und eigenwillig versponnen, wie Puppentheater mit menschlichen Protagonisten. Nur die dahinter stehende Geschichte wirkt seltsam fad und altbekannt.

Pate standen Filme wie „Sin City“, die den Pulp atmen und rigoros mit Konventionen brechen. Für „Bunraku“ gilt dies aber einzig auf gestalterischer Ebene. Denn Moshes Narration bleibt beliebig, die darin eingebetteten Actionszenen eine Spur zu unspektakulär. Der Film ist damit weniger Zirkus als intendiert. Die Machart ist trotzdem so lustvoll wie der Salsa-Soundtrack und neigt zu selbstironisch comichafter Überzeichnung. Die Schauspieler passen sich Konzept und dramaturgisch geschwollenen Dialogen bedingungslos an. Lediglich Demi Moore („Mr. Brooks“) wirkt teilnahmslos und deplatziert. Ungewöhnlich und auf seine Art speziell ist der Streifen ohne jede Frage – anbei allerdings auch nur bedingt packend geraten.

Wertung: (6 / 10)

scroll to top