Blade II (USA/D 2002)

blade-2Im Jahre 1999 flimmerte das erste Abenteuer des schwarzen Superhelden Blade, halb Mensch halb Vampir, mit großem Erfolg über die internationalen Leinwände. So schien denn auch eine Fortsetzung der ohnehin als Trilogie angelegten Comic-Verfilmung aus dem Hause Marvel nur eine Frage der Zeit. In diesem Falle belief sich die Wartezeit auf knappe drei Jahre, weil Produzent und Hauptdarsteller Wesley Snipes wichtige Kontakte für seine frisch gebackene Produktionsschmiede Amen Ra knüpfte und obendrein zwei weitere Filme abdrehte. Die Wahl des Regisseurs fiel bei „Blade II” auf den Mexikaner Guillermo del Toro („Cronos”, „Mimic”).

Die Story, erneut der Feder David S. Goyers („Dark City”), ist noch simpler als die des Vorgängers: Blade (Wesley Snipes) hat zwei Jahre damit verbracht, in Ost-Europa nach seinem totgeglaubten Mentor Whistler (Kris Kristofferson, „Convoy”) zu suchen. In Prag wird er schließlich fündig, sieht sich aber schon kurz darauf mit neuen Problemen konfrontiert. Eine neue Vampir-Spezies, Reaper genannt, tötet wahllos Menschen und Blutsauger, die sich allesamt recht schnell in Zombie-Lookalikes verwandeln. Unerwartet wird Blade von seinem ärgsten Feind, dem Vampirfürsten Damaskinos (Thomas Kretschmann, „Das Stendhal Syndrom”) um Beistand gegen die aschfahlen Killer-Mutationen (u.a. Luke Goss) gebeten, was dazu führt, das Blade kurzerhand eine schlagkräftige Truppe untoter Elitekämpfer (u.a. Ron Perlman und Donnie Yen) unterstellt bekommt, zu der auch Damaskinos Tochter Nyssa (Leonor Varela, „Texas Rangers”) gehört.

Zwar war diese ursprünglich dazu ausgebildet worden, den Daywalker zu töten. Doch die Reaper erweisen sich als harte Gegner und auch das gegenseitige Misstrauen ist nicht gerade förderlich im Kampf um den Fortbestand von Mensch und Vampir. Auf dieser erzählerischen Basis zeichnet sich „Blade 2″ nicht unbedingt durch Originalität aus, aber Regisseur del Toro führt die Geschichte im Gegensatz zum Vorläufer an ihren Ursprung und macht aus „Blade” das, was es ist, nämlich ein Comic. Wo sich Stephen Norrington seinerzeit Hollywood-typischer Dramaturgie unterwarf, setzt der Mexikaner auf Action, Fantasy und Geballer auf hohem technischem Niveau. Die viel zu groß angelegte Frauenrolle von N’Bushe Wright aus Teil eins weicht bei der Fortsetzung einer Reihe von überzeichneten martialischen Nebencharakteren, die dem Daywalker bei seinem Gemetzel niemals die Schau stehlen und Gott sei dank auch nicht zu viele Worte verlieren.

Für die Frauenquote sorgt die unauffällig agierende Leonor Varela, deren Rolle aber eher dezent bleibt. Abgesehen von der Qualität der Action-Sequenzen überbietet „Blade II” das Original weitgehend. Del Toros „Blade” ist temporeicher, actiongeladener und blutiger. Zudem weist so manche Klopperei das Quäntchen Trash-Appeal auf, das, bedingt durch die ohnehin erwartete Überstilisierung einer solchen Comic-Verfilmung, erwartet werden darf. Wesley Snipes erweist sich aller Coolness zum Trotz zwar nur wieder als Light-Version des Terminator, überzeugt aber doch mit einer selbstironischen Performance. Daneben gibt es ein wiedersehen mit Country-Troubadour und Gelegenheitsschauspieler Kris Kristofferson, der als Blades Busenkumpel Whistler wieder eine solide Figur macht. Des weiteren werden Hongkong-Actionstar Donnie Yen („Iron Monkey”), der auch für die Choreographie der merklich besser gewordenen Prügeleien verantwortlich ist, Ron Perlman („Die Stadt der verlorenen Kinder”) und Norman Reedus („Der blutige Pfad Gottes”) ins Schlachtgetümmel geworfen.

„Blade 2″ weist alles auf, was ein Fantasy-Comic dieser Art aufweisen muss. Zünftige Metzelszenen, hohes Tempo, düstere Optik und überdrehte Figuren. Die zeigefreudigen Gewaltszenen erscheinen für Hollywood-Verhältnisse auf Anhieb etwas übertrieben, schaden dem Film aber in keinster Weise. Dass bei all den abgetrennten Gliedmaßen, dem spritzendem Blut und der hippen Ausstattung die Spannung völlig auf der Strecke bleibt, juckt letztendlich auch nicht weiter. Denn immerhin ist der von Comic-Guru Stan Lee mitproduzierte Streifen mehr Action- als Horrorfilm. Für Genre-Fans also eine denkbar sichere Bank.

Wertung: (7 / 10)

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