Brothers Grimm (USA/GB/CZ 2005)

brothers-grimmSieben lange Jahre ist es mittlerweile her, dass Regiegenius Terry Gilliam uns mit dem Meisterwerk „Fear and Loathing in Las Vegas“ erfreute. Jetzt stehen gleich zwei neue Filme vor der Tür. Während die „Alice im Wunderland“-Adaption „Tideland“ noch auf sich warten lässt, ist „Brothers Grimm“ jetzt angelaufen.

Die Brüder Will (Matt Damon, „Dogma“) und Jake Grimm (Heath Ledger, „Der Patriot“) ziehen als Hochstapler durch das von den Franzosen besetzte Deutschland des 19. Jahrhunderts. Sie inszenieren den Spuk aus Volksmärchen, um den Bewohnern des Landes das Geld aus der Tasche zu ziehen. Als sie wegen Betrugs von den französischen Truppen verhaftet und zum Tode verurteil werden, gibt General Delatombe (Jonathan Pryce, „Brazil“) den beiden noch eine Chance, ihre Haut zu retten. Sie sollen das Verschwinden von 10 Mädchen aus einem Dorf aufklären. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Fantasie und Realität.

Von der Handlung her steht „Brothers Grimm“ eher in der Tradition von Gilliam-Werken wie „Die Abenteuer des Baron Münchhausen“ als in der späterer Satiren wie „12 Monkeys“ – und auch stilistisch sieht man dem Regisseur das eher verspielte Element an. Liebevoll werden Referenzen an die meisten Märchen der Brüder Grimm in die Handlung eingesponnen und vor allem der verwunschene Wald, offensichtlich komplett im Studio entstanden, wirkt wie eine noch weiter stilisierte Variante des schon fantastischen Waldes in „Legende“ von Ridley Scott. Wie für Gilliam typisch ist die Szenerie wieder bevölkert von skurrilen Typen und fantastisch-abstrusen Gerätschaften. Wer einen Blick auf die entworfenen Foltergeräte wirft, wird verstehen, was gemeint ist.

Fans können sich an einem Stück Zelluloid weiden, dass vieles Liebgewonnene wieder einmal auf die Leinwand wirft. Es kann niemandem verwehrt werden, eine kleine Träne zu verdrücken, wenn Jonathan Pryce noch einmal in seiner filmischen Karriere an einem Gilliam’schen Schreibtisch sitzt. Aber auch wem das Vorwerk Gilliams nicht zu 100% vertraut ist, wird an dem fantasievollen Streifen seinen Spaß haben. Die Atmosphäre ist vollkommen stimmig und die Schauspieler – u.a. Lena Headey („Merlin”) und Peter Stormare („Fargo”) – geben das ihrige dazu. Monica Bellucci („Irreversibel“) zeigt einmal mehr, dass sie die Schönste im ganzen Land ist und auch die beiden Hauptdarsteller liefern eine solide Leistung ab – nicht überragend, aber gut.

Dass „Brothers Grimm“ trotz märchenhafter Handlung nicht für die Sechsjährigen unseres schönen Landes geeignet ist, hat die Freiwillige Selbstkontrolle richtig festgestellt. Das Ende ist einmal mehr überraschend düster. Hier ist auch der große Unterschied zu „Münchhausen“ auszumachen. Das Finale erinnert mehr an das nicht weniger düstere von „Time Bandits“. Allerdings zieht sich der Showdown in dem zwei Stundenwerk ein wenig über das notwendige Maß heraus. Trotzdem ist „Brothers Grimm“ allen Freunden der gepflegten Fantasy nahe zu legen. Und Terry Gilliam-Fans sowieso. Es ist schön, einmal mehr in die Welt dieses Visionärs abtauchen zu können.

Wertung: (7 / 10)

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