The Great Wall (CN/HK/USA/CAN/AUS 2016)

Wie schlecht kann ein Film sein, in dem Matt Damon („Jason Bourne“) das alte China gegen eine Armee echsenartiger Monster verteidigt? Wer sich jetzt noch nicht mit Grausen abgewendet hat, kann getrost einen Blick riskieren. Denn: So mies, wie der vorrangig mit chinesischen Geldern finanzierte Big-Budget-Schlock gemeinhin gemacht wird, ist er in Wahrheit nicht. Vielleicht liegt es am zusehends sinkenden Qualitätsniveau von Blockbuster-Großproduktionen („Ghostbusters“ oder „Geostorm“, anyone?), vielleicht aber auch einfach daran, dass die gravierende Beliebigkeit des Skripts mit einer guten Portion Tempo und Kurzweil kaschiert wird.

Clever, geschweige denn überzeugend, ist das von Star-Regisseur Zhang Yimou („House of Flying Daggers“) verblüffend seelenlos aufgezogene Action-Abenteuer zu keiner Sekunde. Unterhaltsam geraten ist es trotzdem, auf eine Art jener „No-Brainer“, von denen man sich am besten an einem faulen Sonntag auf der Couch berieseln lässt. Da ist nichts, was bleibt. Für den Augenblick – und nur für den – erfüllt die Geschichte des europäischen Söldners William (Damon) aber ihren Zweck. Der gelangt mit dem Gefährten Tovar (auf der großen Leinwand weiterhin in undankbaren Nebenrollen besetzt: Pedro Pascal, „Narcos“) im 11. Jahrhundert nach China, wo sie Schwarzpulver auftreiben wollen, neben Banditen aber auch an die gefährlichen, Tao-Tei genannten Kreaturen geraten.

Dass die in einem Turnus von sechzig Jahren immer dasselbe Teilstück des über 21.000 Kilometer langen Monuments attackieren, ist für die Story und vor allem Damons furchtlosen Glücksritter äußerst praktisch. Denn den zum Schutz von Mauer und Kaiserreich abkommandierten Truppen von General Shao (Zhang Hanyu, „Assembly“) kommt der schlagkräftige Fremde gerade Recht. Mit Mut und Kampfeswillen gewinnt er das Vertrauen von Shao, dessen tapferer Stellvertreterin Lin Mae (Jing Tian, „Pacific Rim: Uprising“) sowie dem besonnenen Strategen Wang (Andy Lau, „Infernal Affairs“). Und Tovar? Der darf mit dem seit Jahren auf der Mauer festsitzenden Willem Dafoe („What Happened to Monday?“) einen William hintergehenden Plan aushecken, um Schwarzpulver zu rauben und sich aus dem Staub zu machen.

Zwar ist immer etwas los, doch lässt das klischeeverseuchte Drehbuch, an dem zwischen Konzept und Umsetzung u. a. Tony Gilroy („Nightcrawler“) und Edward Zwick („The Last Samurai“) beteiligt waren, die Schauspieler schlichtweg im Stich. Der Monsterschwarm, praktischerweise von einem Königinnenexemplar kommandiert, wird fortwährend unterschätzt und zeigt trotzdem immer nur dann Anflüge von Intelligenz, wenn es der Geschichte dienlich erscheint. CGI-lastige Actionszenen sind zahlreich und mit manch aufwendiger Massenszene unterfüttert, sobald neben dem Auge aber auch das Hirn eingeschaltet wird, bleibt kaum mehr übrig als substanz- und ideenarmer Kintopp-Standard. Gute Argumente hat „The Great Wall“ kaum auf seiner Seite. Da aber immerhin der Unterhaltungswert stimmt, wird die filmische Komplettkatastrophe gerade noch abgewendet.

Wertung: (5,5 / 10)

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