Muff Potter – Von Wegen (2005, Universal)

Wenn man wohl einer Band den Erfolg gönnt, dann dem Münsteraner Quartett MUFF POTTER, die vor über einer Dekade damit begannen, den deutschen Untergrund aufzumischen. Mit ihrem fünften Album „Von Wegen“ werden sie wohl erstmals durch größere Pforten schreiten. Nachdem die Platte bereits im letzten Winter fertig war, begaben sich MUFF POTTER auf die Suche nach einem Partner und wurden letztlich – kurz bevor man das Album dann doch über die heimatliche Huck’s Plattenkiste selbst veröffentlichen wollte – in Form von Universal fündig. Diese dürften eben die größeren Pforten aufstoßen, in die MUFF POTTER bislang vielleicht noch nicht selbst hineinkamen.

Wer angesichts des Major-Symbols aber nun eifrig „Sellout“ schreit, der hat mal wieder nichts verstanden. MUFF POTTER sind noch immer die Jungs, die man bereits vor vielen Jahren in sein Herz schloss. Nach dem allerorts aufs heftigste abgefeierten „Heute wird gewonnen, bitte“, gibt es aber mit „Von Wegen“ einige kleine Unterschiede zum hochgelobten Vorgänger. Bereits der Opener und gleichzeitig die erste Sinlge „allesnurgeklaut“ gibt die Marschroute des Albums ganz gut wider. Mit einer Spielzeit von knapp unter drei Minuten – im übrigen nicht der einzige Song auf „Von Wegen“ mit dieser Länge – und ordentlich drauf losgerockt, werden die komplexeren Wege des Vorgängers verlassen, „auf den Punkt gebracht”, passt hier besser. „Von Wegen“ ist rotziger und schneller, jedoch werden natürlich auch hier wieder poppige Elemente nicht vernachlässigt, denn selten waren MUFF POTTER eingängiger als bspw. bei „Alles was ich brauch“ oder „Sexhit“.

Ob nun politisch, kritisch oder alle Facetten rund um das Thema Liebe behandelnd, auf den gewohnten Wortwitz („…ohne Spaß, Alkohol haben“ aus „allesnurgeklaut“) und den sicheren Umgang mit sprachlicher Akrobatik braucht auch hier nicht verzichtet zu werden. Es scheint, als wollten es MUFF POTTER unbedingt wissen, denn „Von Wegen“ zündet bis auf wenige Ausnahmen sofort, was beim vielschichtigen Vorgänger nicht immer der Fall war. „Heute wird gewonnen, bitte“ wuchs mit der Zeit, doch dies ist auch bei „Von Wegen“ unbedingt der Fall, unabhängig davon, ob ein schnellerer Zugang zu den Stücken gefunden wird. Mit einer ungewohnt hohen Hitdichte gehört „Von Wegen“ sicherlich mindestens auf die gleiche Stufe wie der vielfach erwähnte Vorgänger und der Begriff „Durchbruch“ könnte MUFF POTTER in den kommenden Monaten noch mehrfach begegnen. Wieder einmal ein Knaller der Münsteraner, anders lässt es sich nicht formulieren.

Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

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