Braddock – Missing in Action III (USA 1988)

braddock-missing-in-action-3Weil „Missing in Action 2“ (1985) Balsam auf die amerikanische Seele gestrichen hatte, kehrte „Rambo“-Ersatz Chuck Norris drei Jahre später noch einmal nach Vietnam zurück. Diesmal allerdings verschwamm das reaktionäre Feindbild, schickte sich der rustikale Rammbock doch an, die totgeglaubte vietnamesische Frau Lin (Miki Kim, „Jäger der Apokalypse“) nebst gemeinsamem Sohn Van (1995 mit nur 23 Jahren durch Selbstmord aus dem Leben geschieden: Roland Harrah III, „Kung Fu – Der Film“) nach Hause zu holen. Zwar überschnitt sich das Handlungsgerüst deutlich mit dem in Teil 2 um die Figur des James Braddock konstruierten Hintergrund, aber wen kümmert schon der Inhalt, wenn Zwirbelbart Norris mit dicker Wumme Leben auslöscht?

Der feurige Auftakt im fallenden Saigon lässt einmal mehr die satten Budgets erahnen, mit denen die berühmt berüchtigte Produktionsstätte Cannon während ihrer Hochzeit um sich warf. Dabei glaubt Braddock, dass seine Frau bei einer Explosion getötet wurde. Als er auch noch angeschossen wird, folgt der Sprung in die Gegenwart. Die verbringt der Elitesoldat in Kneipen, bis ihm der Geistliche Polanski (Yehuda Efroni, „Delta Force“) die Information steckt, dass die Gemahlin noch am Leben ist und überdies seinen Spross hegt. Weil der aber zur Hälfte Amerikaner ist, vertritt er wie viele Gleichgesinnte einen schweren Stand. Da Polanski sich um die zurückgebliebenen Kinder amerikanischer Soldaten kümmert, bittet er Braddock um Hilfe.

Also macht sich dieser auf nach Vietnam, was seine Zeit dauert, da das Drehbuch zähe Verwicklungen mit Regierungsvertretern und Geheimdienstlern bereithält. Bis Chuck Norris vom Regie führenden Bruder Aaron („Platoon Leader“) endlich zum Töten abkommandiert wird, vergeht mehr als die Hälfte der ohnehin viel zu langen Laufzeit. Nachdem aber der feiste General Quoc (Aki Leong, „Farewell to the King“) seine Frau erschossen und ihn inklusive Sohn der Folter preisgegeben hat, sind die Tage der garstigen Schlitzaugen gezählt. Denn weder psychische Marter, noch der Kitzel mit dem Starkstrom können den Kampfeswillen des Supersoldaten brechen. Wenn überhaupt einer bricht, dann Braddock – zumindest die Genicke seiner Gegner. Die Flucht ist ein Kinderspiel, der Gegenschlag lässt nicht lange auf sich warten.

Gemäß dem Motto „Don´t fuck with the Chuck“ – siehe auch „Chucky 3” (1991) – lässt Norris fortan die guten Manieren im Schrank und Waffengewalt für sich sprechen. Dabei mischt er nicht nur die ansässige Militärjunta auf, sondern bewahrt auch die unterdrückten Halbwaisen amerikanischer Soldaten und einheimischer Weiblichkeit vor dem sicheren Tod. Justiz á la Braddock braucht keine Verhandlung: Ein angehender Kindesvergewaltiger wird kurzerhand in Stücke geschossen, die Hälse diverser Gegner wie dürre Zweige im Geäst selbstgerechter Rechtmäßigkeit gebrochen.

Die zugegebenermaßen rasante Action bietet noch immer ideologisches Sperrfeuer, ist aber bei weitem nicht so rassistisch wie die der Vorgänger. Das Bild des bösen Vietcong beschränkt sich hier auf die unterdrückenden Militaristen – und die kriegen ihr Fett ordentlich weg. Die Explosionen sind reichhaltig, das Hirn bleibt auf der Strecke. „Braddock“ ist ein plumper, ideologisch entschärfter Abschluss der „Missing in Action“-Trilogie, der für ein auf Krawall gebürstetes B-Picture schlicht zu spät in Gang kommt. Chuck Norris schrieb auch am Drehbuch mit – das sagt im Grunde alles.

Wertung: (4 / 10)

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