Missing in Action (USA 1984)

missing-in-actionIrgendwann einmal haben sich aufrechte Amerikaner wohl gedacht, gewinnen wir den Vietnamkrieg doch einfach mal auf der Leinwand und zeigen, wie es wirklich hergegangen ist. Bereits der offenkundig als Rechtsaußen qualifizierte John Wayne sang in „Die grünen Teufel“ 1968 ein Hohelied auf die US-Armee. Doch erst in den 80ern brach eine ganze Welle mieser Streifen auf die Filmwelt ein. Auch Chuck Norris war sich für derlei reaktionäre Kost nicht zu schade.

Als US-Colonel John Braddock (Chuck Norris) kehrt er nach vielen Jahren zurück nach Vietnam, in Begleitung einer Diplomatenrunde, um noch immer in gefangen gehaltene Soldaten in die Heimat zurückzubringen. Jahrelang wurde er selbst in einem Lager gefoltert, also schnell auf alle Diplomatie geschissen, alle bösen Fremden niedergemacht und die aufrechten Kameraden gerettet.

Noch bevor Sylvester Stallone den vietnamesischen Dschungel mit kommerzieller Wucht von allem Übel befreite, versuchte sich die Cannon-Schmiede an ihrer eigenen Version, beinahe selbstredend mit dem amerikanischen Idol Chuck Norris. Dieser versteht es schließlich wie kein Zweiter, dauerhaft ernst in die Gegend zu schauen und Gegnern ihre Fressleisten zu polieren. Dies ist auch bitter notwendig, entpuppen sich die hier gezeigten Vietcong doch allesamt als miese Burschen, die ohne Grund die armen, aufrechen Amerikaner gefangen halten und quälen. Dies kann sich der nette Onkel von nebenan natürlich nicht gefallen lassen und im Alleingang werden ganze Batallione von Ungläubigen – äh Feinden – niedergemacht.

In den 80ern war das Bild der US-Gesellschaft sicherlich geprägt durch derlei Weltanschauung, doch der offenkundige Rassismus und die Verlogenheit, mit der hier umgegangen wird, entbehrt jeglicher Beschreibung. Regisseur Joseph Zito – der auch bei „Red Scorpion“ grobschlächtiges Talent offenbarte – griff einfach mal ganz tief in die Klischeekiste. Dem aufrechten Amerikaner hat’s gefallen, schließlich ist das ganze ja für eine gute Sache. Die Action lässt mitunter ein wenig auf sich warten und kommt zudem nicht über durchschnittliches B-Niveau hinaus. Das mangelnde Budget wartet an jeder Ecke, da kann gen Ende auch noch so viel geschossen und in die Luft gesprengt werden. Bruder Chuck hat es mit vielen Feinden zu tun, so greift er denn auch lieber zu Großkalibern, als dass er die bewährten Handkanten sprechen lässt.

Unvergessen sein in Zeitlupe gefilmtes Auftauchen mit dicker M60 im Anschlag, die in den nächsten Szenen wenigstens 20 Ehefrauen zu Witwen macht. Hier und da gibt es noch mal ne Verfolgungsjagd, doch vom Hocker reißt der Spuk niemanden. Auf politischer Ebene ist „Missing in Action“ ein Totalausfall, wenn Diplomatie so zermalmt wird wie hier, ist jede konstruktive Diskussion überflüssig. Die Action geht schon O.K., doch schwebt allzeit der verlogene Schleier des aufrechten Amerikaners über dem Geschehen. Der Streifen gehört zu Norris’ bekanntesten Werken, schlimmer wurde es aber noch mit dem zweiten Aufguss, der, obwohl bereits vor diesem Teil fertig gestellt, erst nach diesem Erfolg von Cannon veröffentlicht wurde.

Wertung: (3 / 10)

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