Platoon Leader (USA 1988)

platoonleader„Richtig geil! Man geht auf Patrouille und knallt ein paar von denen ab. Und die knallen ein paar von uns ab. Dann geht´s wieder zurück ins Camp, essen, schlafen, und am nächsten Tag genau dasselbe. Und ehe man weiß was ist, ist man verwundet oder tot. Richtig geil!“ – Einblicke eines Schlächters: Roach

Wenn der Krieg, wie der deutsche Untertitel von „Platoon Leader“ suggerieren mag, keine Helden kennt, warum nur, Cannon/VMP, sind die Oberarme des nachgezeichneten Michael Dudikoff dann noch dicker als die Knarre über seiner Schulter? Dies martialische Gebaren des teutonischen VHS-Verleihcovers (als lizensierte DVD ist der Streifen bis heute nicht zu haben) ist aber nicht einmal die Schuld des Regisseurs. Und dass, obwohl es sich um Chuck Norris Bruder Aaron handelt, der auch plump nationalgetreues Säbelrasseln wie „Missing in Action III“ oder etwaige Brutalo-Actioner (u.a. „Hitman“) drehte.

Die Verfilmung des autobiographischen Buches von James R. McDonough sollte anders werden. Kein hohles Hohelied auf Vaterlandsliebe und erst recht kein klischeebeladenes Kriegsgemetzel. Dass die durchaus ambitionierte B-Produktion dennoch ein bisschen von allem wurde, liegt neben der quasi-republikanischen Antwort auf Oliver Stones Oscar-prämiertes Anti-Kriegsdrama „Platoon“ vor allem an Hauptdarsteller Dudikoff. Der „American Fighter“-Star (hüstel) kann die Zerrissenheit des naiven Lieutenant Jeff Knight einfach nicht glaubhaft in das Szenario desillusionierter Frontschweine am einsamen Außenposten betten.

Frisch von der Akademie und grüner hinter den Ohren als der Dschungel im Kriegsgebiet, erhält er das Kommando über einen strategisch immanenten Posten nahe eines anti-kommunistischen vietnamesischen Dorfes. Entsprechend dürftig ist es um die Respektsbekundungen der Untergebenen – hervorzuheben sind Robert F. Lyons („Death Wish II“) als erfahrener Sergeant McNamara und Brian Libby („Action Jackson“) als brutales Raubein Roach – bestellt, die selbstredend gern Befehle von unerfahrenen Vorgesetzten entgegen gebellt bekommen und auch mit Wonne im kargen Eingezäunten exerzieren üben. Der Drops scheint gelutscht, als Knight im Einsatz verwundet wird. Doch der Frischling wird noch beweisen, was in ihm steckt.

Norris verhandelt so viele Themen, wie über die kurze Laufzeit möglich erscheinen: Rassismus, Verrohung, Drogensucht („Jedes mal wenn Bacera sagt, dass er zum Pinkeln gehen will, ist er nervös und zittrig. Und jedes mal wenn er zurück kommt, ist er ruhig und ausgeglichen.“). Dazwischen wird geballert bis die Rohre qualmen und blutig vor die Hunde gegangen. Da passt es, dass auch William Smith („Red Dawn“) als Major Flynn ins Feld geschickt wird. Nur der Feind wird zur Randerscheinung degradiert, einer gesichtslosen Masse, die beim Angriff auf den Posten wie ein Heer von Insekten über den Boden kreucht – und vom Feuer eines zur Verstärkung anrückenden Helikopters verzehrt wird. Ehrbar mag der Krieg selbst unter Norris nicht sein. Doch er wirkt gerechtfertigt. Für Heldentum ist also doch noch Platz.

Wertung: (5 / 10)

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