Missing in Action 2 – Die Rückkehr (USA 1985)

missing-in-action-2In Zeiten, als der Vietnamkrieg in den Köpfen der Kinozuschauer nachträglich gewonnen wurde, schlug die Stunde von Chuck Norris. Nachdem er in „Missing in Action“ (1984) US-Soldaten aus einem Lager des Vietcong befreit hatte, schlüpfte er nur ein Jahr später abermals in die Rolle des Einzelkämpfers James Braddock. Teil eins hatte dem populäreren „Rambo 2“ (1985) vorgegriffen, weshalb „Missing in Action 2“ die Rückblenden des originalen „Rambo“, sprich dessen Aufenthalt in einem vietnamesischen Kriegsgefangenenlager, ausschmückte und damit Braddocks Vorgeschichte illustrierte. Unter der Regie von Lance Hool („Steel Dawn“) geriet das Spektakel zum ausnehmend reißerischen Feldzug gegen altgediente Feindbilder.

Während eines Helikoptereinsatzes wird Colonel Braddock mit einigen Männern abgeschossen, als sie den eigenen Truppen wagemutige Schützenhilfe leisten. Nachdem ein jeder der Truppe namentlich vorgestellt und mit dem Brandzeichen „Missing in Action“ versehen wurde, dreht sich das Rad der Zeit ein gutes Stück vorwärts. Präsident Ronald Reagan ehrt in einer Rede an die Nation jene Krieger, die bis Mitte der Achtziger noch immer nicht aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt sind. Neben dem geheuchelten Loblied der gerechten Sache mahnt er die Folterungen und Verstöße gegen die Genfer Konvention an – wohlgemerkt die seitens des Vietcong. Mi Lai findet keine Erwähnung, Agent Orange auch nicht. War der Mann schon damals senil oder ist ihm nur entfallen, dass Vietnam nicht des aufrechten Amerikaners einundfünfzigster Bundesstaat ist?

In der Zwischenzeit müssen Braddock und seine Gefährten die Knute des despotischen Colonel Yin (Soon-Tek Oh, „Death Wish IV“) erdulden, der die Gefangenen wahlweise zu Frondiensten missbraucht oder des Vergnügens halber quält. Mit von der Partie ist neben Überläufer Nester (Steven Williams, „Jason Goes to Hell“) auch Professor Toru Tanaka („The Running Man“), der fast häufiger als Al Leong („Stirb langsam“) den Kugelfang im Actionfach mimte. Das Jahrzehnt der Marter müssen die US-Soldaten im übrigen nur ertragen, weil Braddock die Unterzeichnung eines Papiers ablehnt, in dem er amerikanische Kriegsgräuel bestätigt und sich selbst als Missetäter diskreditiert.

Aber Colonel Yin ist ja nicht nur die Personifizierung reaktionärer Allmachtsfantasien, sondern auch Kollaborateur eines französischen Opiumschmugglers. Den Klischees ist genüge getan, das Sterben kann beginnen. Als die Verkrustung des Bartes vorangeschritten und ein malariakranker Kumpan kurzerhand in Brand gesteckt ist, Platzt Braddock endgültig der Kragen. Er flieht und poliert den Schlitzaugen fast im Alleingang die gelbe Fresse. Der Begriff Menschenverachtung erhält dabei einen schicken Neuanstrich. In Hälfte eins werden ausgiebig Amerikaner schikaniert und ein australischer Reporter (Christopher Cary, „Watchers“) in Zeitlupe hingerichtet, danach macht uns Chuckl Norris den „Forrest Warrior“ und bügelt Colonel Yin die Falten aus der Dunstkiepe.

Die Kehrseite des zumindest auf dem Papier amüsanten Ballerfilmchens aus dem Cannon-Filmfundus ist ideologisch verquere Action für beinharte Fans. Die werden außerhalb der dankbarerweise gnadenlos verstümmelten deutschen Fassung zwar zünftig bedient, doch bemächtigt sich „Missing in Action 2“ faschistoider Schwarz-Weiß-Malerei und missbraucht die amerikanische Vietnampsychose für eine national legitimierte Orgie der Gewalt. Die lebt in erster Linie von ihrer fehlgeleiteten Moralvorstellung, ist die Action an sich doch reichlich billig und höchstens auf B-Niveau angesiedelt. Am Ende gibt’s für Yin die verdiente – und mit sichtlichem Vergnügen zelebrierte – Strafe und für aufrechte Amerikaner den Blick Richtung Freiheit. „Missing in Action 2” entspricht nicht nur antiquierten Leitgedanken, sondern ist auch ein reichlich dämlicher Film.

Wertung: (3 / 10)

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