Hitman (USA 1991)

hitman-norris„Mit einem knallharten Großstadt-Thriller meldet sich der größte Star des Action-Kinos zurück: CHUCK NORRIS“

Das oben genannte Zitat auf dem Backcover der VHS-Cassette von „Hitman“ spiegelt mitnichten die Meinung des Autors wider, denn in jenem Anderthalbzeiler sind direkt zwei gravierende Fehler enthalten. Zum einen war Chuck Norris nie der größte (!) Star des Action-Kinos und er wird es – sofern Gott die Menschheit doch liebt – auch nie werden. Der erste Teil bezieht sich auf den Film aus der berühmt-berüchtigten Cannon-Schmiede selbst und auch wenn über das Adjektiv „knallhart“ diskutiert werden kann, so hat man es als Betrachter dennoch nicht mit einem Großstadt-Thriller zu tun. Auch hier hat der Verleih mal wieder dezent auf dicke Hose gemacht. Aber wo Chuck draufsteht, ist auch mindestens ein Roundhouse-Kick drin. So natürlich nicht anders im 1991er Actioner „Hitman“, gedreht von seinem Bruder Aaron Norris.

Cliff Garett (Chuck Norris) ist ein Bilderbuch-Polizist. Harte Schale, weicher Kern, ein aufrechter Kämpfer für das Gute. Als er mit seinem langjährigen Partner Delany (Michael Parks) in einem Lagerhaus eine Verbrecherbande festnehmen will, wird er von diesem niedergeschossen. Er überlebt schwer verletzt, wird aber von Delany für tot gehalten. Jahre später arbeitet Cliff undercover unter dem Namen Danny Grogan für die italienische Mafia unter der Führung von Marco Luganni (Al Waxman). Sein Auftrag ist es, die verfeindeten Gangs gegeneinander auszuspielen. Doch sein Unterfangen wird erschwert, als sein alter Partner Delany auf der Bildfläche erscheint.

Als eine Art dynamisches Duo des Actionfilms darf Chuck Norris („Delta Force“, „Der Mann mit der Todeskralle“) mitsamt seinem Bruder Aaron („Delta Force 2“, „Sidekicks“, „Hellbound“) bezeichnet werden. Beide arbeiteten gemeinsam an diversen Filmen, manche besserer B-Qualität, manche wiederum auch definitiv schlechterer. „Hitman“ positioniert sich im gesicherten Mittelfeld, zeigt aber dafür Bruder Chuck mal in einer etwas anderen Rolle bzw. mit anderer Frisur.

Als Fließbandfilmer war Chuck Norris nie bekannt, ganz im Gegenteil zu manchen seiner Kollegen aus der B- und C-Kategorie. Zwar hätte man sich hin und wieder mal ein Highlight oder dergleichen gewünscht, doch war der spätere „Texas Ranger“ zur „Hitman“-Zeit noch ganz gut im Geschäft und der endgültige Abstieg in die niedrigsten Regionen kam erst einige Jahre später. „Hitman“ bietet trashig angehauchte Action von der Stange, die jedoch atmosphärisch ganz nett umgesetzt wurde. Ein Action-Feuerwerk darf man beinahe selbstredend nicht erwarten, denn Norris war nie einer der Nonstop den Bösen den Garaus machte. Actiontechnisch bewegt sich „Hitman“ aber im unteren Bereich, hier mal eine kleine Schießerei, dort dann mal eine kleine Keilerei. Der Blutgehalt geht O.K., die mitunter düstere Atmosphäre weiß zu gefallen.

Dabei ist es aber nicht mal die sportive Vokuhila-Frisur des ehemaligen Karate-Weltmeisters die bitter aufstößt, sondern vielmehr der Subplot mit dem Nachbarjungen. Dieser überflüssige – aber moralisch einwandfreie – Handlungsstrang tut nichts zur Sache, stattdessen hätten die Norris-Brüder lieber ein paar Actionszenen mehr einbauen können. Darstellerisch ist mal wieder alles in Butter, Chuck guckt treudoof aus der Wäsche und spricht nur das Nötigste. Mit langem schwarzen Mantel und dicker Kanone streift er durch die Nächte und lässt auch mal unliebsame Gegner einfach explodieren. Ein paar Sprüche mehr als sonst hat er zwar schon drauf, doch ist „Hitman“ im Endeffekt ein ziemlich blöder Film der B-Kategorie, der aber bei entsprechend gewürdigten Anlässen nicht fehlen darf.

Wertung: (4 / 10)

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