Boxhamsters – Thesaurus Rex (2011, Bad Moon Records/Major Label)

boxhamsters-thesaurus-rexDie kompilierte Werkschau früherer Tage ist bei den BOXHAMSTERS stets ein Spektakel. Das war so bei „Klau mich!“, der in der Aufmachung famosen Parodie der im Ausverkauf begriffenen TOTEN HOSEN, die die ersten vier Platten mit je drei Songs abbildete – und das ist auch bei „Thesaurus Rex“ nicht anders. Als Doppel-Vinyl noch mehr als auf CD, aber diese Präferenz bleibt jedem selbst überlassen. Bei solchen Retrospektiven drängt sich nun immer gleich die Frage auf, ob man sie, Fan hin oder her, nun wirklich braucht. Zumal im vorliegenden Falle das Debüt „Wir Kinder aus Bullerbü“ bedauerlicherweise unberücksichtigt bleibt.

Gerafft werden demnach Einblicke in die Jahre 1990 bis 1996 gewährt, also die Phase zwischen „Der göttliche Imperator“ und „Tupperparty“. Die Frage nach der Berechtigung lässt sich durchaus rasch beantworten, sind die komprimierten vier Platten doch mittlerweile allesamt vergriffen. Mit je sechs Beiträgen (nur bei „Tupperparty“ sind es lediglich fünf) fällt die Ausbeute üppig genug aus, um die Bandbreite des eigentümlichen deutschsprachigen Punks in seiner Gesamtheit zu erfassen. Relevante Hits wie „Zu klein“, „Alter Film“, „Große Augen“, „Krazy“ oder das unvergessliche „III“ selbstverständlich inklusive.

Selbst wenn hymnische Brecher des Schlages „Unbezahlbar“ oder „Ballermann 6“ fehlen mögen, die Auswahl bleibt erlesen. Vor allem, weil unterschätzte Beiträge wie „J. Lipstick“, „Junge von nebenan“ oder „Kirsch“ jene vielschichtig rockende Ader entblößen, die den Gießenern in der Vergangenheit Vergleiche mit HÜSKER DÜ einbrachten. Es ist also für jeden etwas dabei auf „Thesaurus Rex“. Vor allem der Beweis, dass man hierzulande schon seit Jahrzehnten großartigen Punk-Rock spielen kann, ohne gleich in die Klischeeschublade des Deutsch-Punk abzudriften. Das Spektakel ist also um ein ruhmreiches Kapitel reicher!

Wertung: (7,5 / 10)

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